Mit Radon gegen den Schmerz – Bericht über meine Fibromyalgie-Kur, Teil 2 (Anzeige)

In mir beginnt es zu ziehen, zu zwicken und zu ziepen. Ganz langsam aber beständig wächst der Schmerz in meinen Muskeln und den Sehnen durch das Radon an. Es ist dieser dumpfe, drückende oder auch reißende und ganz typische Fibromyalgie-Schmerz. Es ist, als würde eine zähe, klebrige Masse unter meiner Haut in Bewegung kommen und das Gefühl noch in die letzten Winkel meiner Extremitäten tragen. Auch meine Gelenke machen sich bemerkbar, besonders die Knie und Ellenbogen. Der Zug rattert unter meinen Füßen und grauer Fels rauscht nur wenige Zentimeter vor dem Fenster vorbei. Jeder Meter, den wir weiter in den Berg hineinfahren, hinterlässt seine Spuren auf meinem Körper. Ich lächle. Ich kenne diesen Schmerz, er ist ein gutes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass die Therapie zu wirken beginnt.

Wie ich bereits in meinem letzten Text zu meiner Kur geschrieben habe, bin ich schon zum dritten Mal hier. Ich weiß, was mich erwartet. Und doch kommt es dieses Mal etwas anders.

KURREAKTIONEN – WAS RADON IN MEINEM KÖRPER AUSLÖST

„Der Stollen zeigt auf!“, erklärt mir Frau Dr. Weber – seit dem Jahr 2000 Kurärztin im Gasteiner Heilstollen, in unserem Gespräch über die Wirkung der Radon-Therapie. Das bedeutet, dass die Stellen im Körper, die Probleme machen, im Innern des Berges nicht selten „anschlagen“ – genau wie bei mir. „Man muss aber beachten, dass die Reaktionen auf die Einfahrten sehr individuell ausfallen“, ergänzt Dr. Weber. Meine Frage, ob es bestimmte Reaktionsmuster bei Fibromyalgie oder anderen, hier behandelten Erkrankungen gäbe, verneint sie. Manche Patienten erführen recht heftige Reaktionen, etwa Schmerzen während oder nach der Einfahrt, andere reagieren mit vermehrter Müdigkeit, wiederum andere erst einmal gar nicht. Dies ließe sich aber nicht vorhersagen, da die Kurreize auf jeden Körper anders wirken. Im Gespräch mit Patientinnen erfahre ich, dass sich die Kurreaktion – also die vorrübergehende Verschlechterung von Symptomen – manchmal erst nach Wochen einstellt.

Bis heute habe ich 28 Therapieeinfahrten in den Gasteiner Heilstollen absolviert. Bei meiner ersten Kur hat es bis zur dritten Einfahrt gedauert, bis ich eine Veränderung gespürt habe. Die war dann aber sehr deutlich und bei allen weiteren Einfahrten hat sich ein ähnliches Muster abgezeichnet. Sobald ich in den Radon-Bereich komme – etwa auf Höhe der Bademantelstation – werden die dumpfen Fibromyalgie-Schmerzen deutlich stärker. Bei meinen nachfolgenden Kuren trat diese Reaktion schon bei der jeweils ersten Einfahrt auf. „Dass sich die Wirkung schneller bemerkbar macht, wenn man bereits einige Kuren hinter sich hat, berichten viele unserer Patienten. Auch, dass die Kur dann länger anhält, wenn sie uns regelmäßig besuchen, ist ein häufiger Effekt“, bestätigt Frau Dr. Weber.  

Ich beschreibe der Kurärztin meine Schmerzen während der Einfahrt. Bei mir halten sie währenddessen an und gehen innerhalb von 1-3 Stunden wieder auf ihr Normalmaß zurück. Die ersten Einfahrten ist diese Verschlimmerung besonders deutlich, dann wird sie von Mal zu Mal geringer. Diese Reaktionen seien unbedenklich, ja sogar ein sehr gutes Zeichen denn: „Patienten, die eine Kurreaktion bei sich beobachten, haben in der Regel bessere Erfolge. Es heißt, dass ihr Körper auf die Therapie anspricht.“ Ich komme damit gut zurecht, ich weiß ja, dass es eine vorrübergehende Sache ist.

Sehr überrascht bin ich davon, dass ich dieses Mal direkt eine Verbesserung meines Zustandes verspüre: ich bin weniger müde, habe weniger Schlafstörungen und bin deutlich fitter und aktiver während meiner ganzen Kur. Frau Dr. Weber erklärt mir, dass es bei manchen Patient*innen nach mehreren Radon-Kuren einen sprunghaften Erfolg oder eine Art Durchbruch der Therapie gibt. Ich habe das Gefühl, dass das auch bei mir dieses Mal der Fall sein könnte.

Demnächst erscheint ein weiterer Artikel, in dem ich Bilanz ziehe, wie es mir den Winter über ergangen ist und was die Kur bewirkt hat. Halte dich jetzt über meinen Newsletter auf dem Laufenden.

WIRKUNGSWEISE BEI FIBROMYALGIE UND ERKRANKUNGEN DES BEWEGUNGSAPPARATES

Das Bild zeigt einen Ruheraum im Gasteiner Heilstollen. Im Vordergrund des Bildes steht ein Duftspender, aus dem Holzstäbchen ragen. Im Raum mit türkisfarbener Wand stehen zwei Betten. Ein Doppelfenster gibt den Blick auf den gegenüberliegenden Berghang frei.
Parkplatz vor dem Gasteiner Heilstollen

Wie in meinem letzten Artikel beschrieben, beruht die Wirkung der Heilstollen-Therapie auf einer Kombination von Radon und milder Überwärmung. Der Gasteiner Heilstollen ist der einzige Radon-Thermalstollen weltweit, denn in ihm herrscht ein durch Thermalquellen natürlich entstandenes feuchtwarmes Klima. Weiterer Bestandteil ist die Alpine Höhenlage – der Stollen befindet sich auf 1.270 Metern. Das Forschungsinstitut Gastein, das zur Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg gehört, liefert seit Jahrzehnten Erkenntnisse über die balneologische Anwendung von Radon. Besonders bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, aber auch Haut- und Atemwegserkrankungen kommt eine Radon-Therapie zum Einsatz (hier findest du alle Indikationen). Kurz gesagt: wenn es um eine Stabilisierung des Immunsystems und Schmerztherapie geht, dann kann Radon helfen. Dabei kommt der Erforschung der lang anhaltenden Schmerzlinderung ein besonderes Augenmerk zu.

Vieles über die Wirkweise des schwach radioaktiven Edelgases Radon konnte bereits herausgefunden werden, anderes steht noch aus. Der Körper nimmt das Gas über die Haut und Atemwege auf. Der Radon-Gehalt im gesamten Gasteiner Heilstollen beträgt konstante 44 kBq/m³.

Für den Effekt auf Fibromyalgie-Beschwerden gibt es zwar noch nicht so ausführliche Forschungen, wie für entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Die erfolgreiche Anwendung bei diesem Krankheitsbild hat im Gasteiner Heilstollen aber auch schon eine zwanzigjährige Geschichte. Radon-Anwendungen fördern nachweislich zelleigene Reparaturmechanismen. Ebenso senken sie die Ausschüttung von Schmerzbotenstoffen (etwa Substanz P), die Hormonproduktion der Nebennierenrinde wird beeinflusst und die Serotonin-Produktion angekurbelt, sowie Endorphine ausgeschüttet. Alles Effekte, die Fibromyalgie-Patient*innen zugutekommen.

Die stimmungsaufhellende Wirkung zeigt sich bei manchen Patienten unmittelbar: „Ich habe schon Gäste beobachtet, die singend und pfeifend von der Einfahrt zurückkamen“, merkt Dr. Weber an. Die Wärme trägt zusätzlich zur Entspannung der Muskulatur bei. Ebenso werden entzündungshemmende Botenstoffe und solche, die am Knochenstoffwechsel beteiligt sind, aktiviert beziehungsweise reguliert (etwa Zytokin TGF-beta, Zytokin TNF-alpha, RANKL und Osteoprotegrin).[1] Insgesamt ist daher ein entzündungshemmender, immunregulierender und schmerzsenkender Effekt festzustellen, der im Schnitt neun Monate anhält.

Mehr Informationen zur Heilstollen-Kur bei Fibromyalgie sind verlinkt. Alles wissenswerte zur Kostenerstattung der Heilstollentherapie durch die Krankenkassen findet ihr in meinem letzten Artikel und auch auf der Webseite des Gasteiner Heilstollens.

NICHT NUR DAS KLIMA, SONDERN AUCH DIE ATMOSPHÄRE STIMMT

Das Bild zeigt einen Ruheraum im Gasteiner Heilstollen. Im Vordergrund des Bildes steht ein Duftspender, aus dem Holzstäbchen ragen. Im Raum mit türkisfarbener Wand stehen zwei Betten. Ein Doppelfenster gibt den Blick auf den gegenüberliegenden Berghang frei.
Ruheraum im Kurhaus

Die Atmosphäre im Gasteiner Heilstollen ist bemerkenswert angenehm und einladend. Bevor ich das erste Mal herkam, habe ich mich gefragt, ob ich in einer dieser sterilen oder hektischen Klinikumgebungen landen würde, in denen man regelrecht abgefertigt wird. Nichts davon ist der Fall. Im Eingangsbereich plätschert ein Brunnen, ein Bistro lädt zum Kaffeetrinken und Verweilen ein und alles ist in sehr ansprechenden Farben gehalten – das Orange aus dem Heilstollen-Logo dominiert. Es gibt schön gestaltete Ruhe- und Entspannungsräume mit Blick auf die Bergkulisse. Für mich ist jeder Aufenthalt dort wie ein Urlaub, in dem ich abschalten und zur Ruhe kommen kann. Klar ist die Therapie auch anstrengend, aber hier habe ich Zeit für mich und die ruhige Umgebung tut ihr Übriges.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlebe ich immer wieder als ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Egal ob die Damen an der Graderobe, das geduldige Team am Empfang, die Sanitäter, das Putzteam oder die Zugführer – alle sind auf eine entspannte Weise um das Wohl der Gäste bemüht. Als ich dieses Mal ankomme ist über Nacht so viel Schnee gefallen, dass ich auf dem Parkplatz steckenbleibe – trotz Winterreifen. „Solche Tage gibt es selbst bei uns hier oben nur eine Hand voll im Winter. Da sind Sie heute nicht die Erste, die stecken bleibt!“, wird mir lachend bestätigt. Aber mit der Hilfe einer der Mechaniker ist mein Auto schnell wieder befreit.

AUSNAHMEN BESTÄTIGEN DIE REGEL (?)

Eine unangenehme Begegnung habe ich allerdings mit einem der Ärzte. Vor, nach und während der Kur werden Verlauf und das Befinden jedes Gastes in zwei bis drei Arztgesprächen kontrolliert. Dieses Mal sollen einige medizinische Fragen, die ich zur Radon-Therapie habe, geklärt werden. Leider werde ich bereits mit einem sexistischen Spruch vom Arzt begrüßt. Auf meine Entgegnung, er solle dies bitte unterlassen, reagiert er nicht. Im weiteren Verlauf schaut er mich kaum an, lässt mich nicht zu Worten kommen und ist nicht an einem Austausch interessiert, sondern daran, mir einen Vortrag zu halten. Letztendlich ein schlechtes Gespräch, da ich es für nicht mehr zeitgemäß halte, Patient*innen nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Danach beschwere ich mich über das unangebrachte Verhalten des Arztes. Zum Glück werde ich dabei ernst genommen: man entschuldigt sich bei mir und versichert, es werde intern ein klärendes Gespräch geben. Ich hoffe für alle Gäste, dass man sich meine Kritik zu Herzen genommen hat.

Diese Begegnung bleibt jedoch die absolute Ausnahme, das will ich betonen. Ich habe bereits mehrere Ärzte und Ärztinnen des Heilstollens kennengelernt und war immer sehr zufrieden. Sie haben sich Zeit genommen und waren kompetent, ja sogar besonders einfühlsam im Umgang mit den von mir geschilderten Fibromyalgie-Beschwerden. Frau Dr. Weber wusste so gut wie noch kaum ein Arzt, den ich bisher getroffen habe, über die aktuelle Studienlage und die körperlichen Zusammenhänge und Symptome der Fibromyalgie Bescheid. Ihnen allen merkt man die Erfahrung mit dieser Erkrankung an – und das ist unter Medizinern doch die absolute Ausnahme.

ZUM BREITEN THERAPIEANGEBOT IM HEILSTOLLEN UND DER UMGEBUNG

Die Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen bilden das zentrale Element der Therapie vor Ort. Dabei fährt man mit einem kleinen Zug über zwei Kilometer ins Innere des Radhausberges und verbringt rund eine Stunde im Therapiebereich.

Im Kurhaus hat man zusätzlich die Möglichkeit, weitere umfangreiche Therapieangebote aus verschiedenen Bereichen in Anspruch zu nehmen: von klassischer Heilgymnastik über Muskelentspannung nach Jacobson, verschiedene Arten der Heilmassage, über Angebote aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), wie Akupunktur, Tuina-Massage oder Qigong. Hier eine Liste der möglichen Zusatztherapien. Ebenso wartet das Gasteiner Tal mit einem breiten Angebot an Kuranwendungen, insbesondere mit Thermalwasser, auf. Über diejenigen Therapien, die ich selbst schon getestet habe, möchte ich euch im Folgenden einen Einblick gewähren.

Wichtiger Bestandteil der Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates sind physikalische Therapien. Wenn eine Kur von der Krankenkasse bewilligt wird, sind auch diese Bestandteil des Therapieplans. Darüber bin ich immer wahnsinnig froh, weil ich ohne Physiotherapie echt aufgeschmissen wäre. Bei meiner ersten Kur bekam ich eine ganze Serie an Heilgymnastik-Sitzungen (Physiotherapie) und Massagen verordnet.

Breuss-Massage

Das Bild zeigt einen kleinen Raum, in dem Boden und Wände orange sind. Im Raum steht eine Massageliege. An der Wand hängt ein großes Foto, das eine Wasseroberfläche zeigt. Am Ende des Raumes sieht man durch das Fenster einen verschneiten Berghang.
Massageraum im Kurhaus

Ich höre schon einige Fibros da draußen aufstöhnen „Massagen geht gar nicht, da geh´ ich an die Decke!“. Ich kann euch beruhigen: die Masseure und Masseurinnen sind geschult im Umgang mit berührungsempfindlichen Fibromyalgie-Patient*innen und nehmen darauf Rücksicht. Die Massage kann sich auf einzelne Bereiche, wie den Rücken, konzentrieren. Eine Massage-Technik wird bei Fibromyalgie besonders gerne angewandt, weil sie von den Betroffenen als sehr verträglich und entspannend empfunden wird: die sogenannte Breuss-Massage. Das kann ich nur bestätigen.

Als ich das erste Mal in diesem Jahr in den Genuss einer Breuss-Massage komme, bitte ich die Masseurin, mir mehr darüber zu erzählen. „Bei dieser Massage wird mit einer speziellen Grifftechnik an der Wirbelsäule entlang gearbeitet. Selbst bei Patienten, bei denen viele Muskelpartien schmerzhaft sind, kann hier meist gut behandelt werden.“ Damit wird genau an den Stellen behandelt, an denen die Nerven aus der Wirbelsäule austreten – und zwar sanft. „Auf diese Weise hat die Massage Auswirkungen auf das ganze System. Besonders das Vegetativum wird angeregt. Dadurch tritt eine sehr beruhigende Wirkung ein.“ Zusätzlich wird dabei mit Johanniskrautöl gearbeitet, das entzündungshemmend wirkt.

Am Ende der Sitzung legt mir die Therapeutin noch einen großen Bogen Seidenpapier auf den Rücken: „So kann das Öl besser einziehen und seine Wirkung entfalten“. Eingewickelt wie eine Frühlingsrolle ruhe ich also noch ein paar Minuten im Liegen. Danach fühle ich mich wohlig und entspannt. Sogar meine BWS-Schmerzen haben dadurch endlich Ruhe gegeben, obwohl die gar nicht gezielt behandelt wurde! Von mir gibt´s eine klare Empfehlung für diese Massage-Technik!

Mehr über die Breuss-Massage.

Qigong

Für Fibromyalgie-Patient*innen ist es nicht immer ganz einfach, eine Art von körperlicher Bewegung zu finden, die gut auszuführen ist. Doch Bewegung ist für uns so wichtig – da erzähl´ ich euch sicher nichts Neues. Langsame Sport- und Bewegungsarten, die die Körperwahrnehmung verbessern, sind besonders empfehlenswert. Eine davon ist Qigong – „eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist“ (Qigong auf Wikipedia). Da ich bereits Erfahrung mit Tai Chi habe, das häufig mit Qigong-Übungen kombiniert wird, ist diese Art der Bewegung für mich nicht neu.

Wieder treffe ich auf meine freundliche Masseurin von der Breus-Massage, die auch eine Zusatzausbildung in Qigong hat und die Technik seit Jahren praktiziert. In dem Physiotherapie-Raum ist es zwar etwas eng, aber es haut doch hin mit unseren Übungen, bei denen wir zwei Figuren beständig wiederholen. Der chinesischen Lehre nach wird dabei der Energiefluss in den Meridianen angeregt. „Es ist langsam und doch anstrengend, aber nicht schmerzhaft für die Muskeln“, erklärt mir meine Lehrmeisterin. Das merke ich schnell, denn ich komme etwas außer Atem und es ist für mich nicht einfach, die Position zu halten. Für´s Hineinschnuppern in die Technik ist es eine gute Sache – um einen spürbaren Effekt zu erzielen, braucht es sicher etwas mehr Übung.

Cranio-Sacral-Therapie

Ein besonderes Erlebnis ist für mich die Cranio-Sacral-Therapie. Auch die ist mir nicht neu. Meine Physiotherapeutin zu Hause behandelt mich jede Woche mit dieser Technik. Die Behandlungen bei ihr waren für mich eine der besten Entdeckungen der letzten Jahre. Endlich hatte ich jemanden gefunden, der viele meiner Verspannungen, Blockaden und Verklebungen spüren und noch dazu sanft lösen konnte. Für mich eine wahre Erweckung nach den oft nur minimalen und kurzfristigen Erfolgen normaler Physiotherapie.

Das Bild zeigt einen kleinen Raum, in dem Boden und Wände orange sind. Im Raum steht eine Massageliege. An der Wand hängt ein großes Foto, das eine Wasseroberfläche zeigt. Am Ende des Raumes sieht man durch das Fenster einen verschneiten Berghang.
Hier findet die Physiotherapie statt

Die Therapeutin, die mich im Gasteiner Heilstollen behandelt, nutzt zudem noch eine etwas andere Technik – Somatic Movement genannt. Dabei kommt der Verbindung von Körper und Geist eine besondere Bedeutung zu; anatomisches, physiologisches und psychologisches Wissen soll erfahrbar gemacht werden. Ebenso soll die liebevolle Wahrnehmung für den eigenen Körper geschult werden. So verwundert es nicht, dass mich die Therapeutin direkt zu Beginn fragt, wo in meinem Körper ich mich zu Hause fühle. Eine Frage, die mich irritiert. Wer 24/7 am ganzen Körper Schmerzen hat, weiß, warum. Die Art der Therapeutin und der Ansatz des Somatic Movements sind mir, ehrlich gesagt, etwas zu ätherisch. Das ist aber, schätze ich, auch einfach Geschmackssache.

Zur ersten Behandlung komme ich mit solchen Rückenschmerzen in der BWS, dass ich die halbe Nacht nicht geschlafen habe. Die Therapeutin sieht aber den Beckenbereich und meinen Brustkorb als besonders behandlungsbedürftig an. Danach kann ich tatsächlich unglaublich frei atmen – ich habe den Eindruck, es ist doppelt so viel Platz wie zuvor. Die Schmerzen in der Brust sind aber fast genauso stark geblieben. Als ich ihr das bei meinem nächsten Termin erzähle, ist sie sehr bedacht, sich auf die Behandlung der BWS zu konzentrieren. Dabei liege ich auf der Seite und sie mobilisiert den Bereich mit ruckelnden Bewegungen. Als sie mir danach eine Eigenübung zeigt, bei der ich mich Wirbel für Wirbel abrollen soll und die Bewegung in der BWS ankommt, habe ich ein Gefühl wie noch nie. Es wird ganz heiß am Rücken und die Wärme durchströmt geradezu elektrisierend das ganze Gewebe. Und das, obwohl ich solche Abrollübungen fast täglich mache. Es ist wirklich ein ganz eigenartiges Gefühl. Die Behandlung muss irgendetwas ausgelöst haben. Danach sind meine Rückenschmerzen endlich verschwunden, Halleluja! Mein Fazit: eine etwas gewöhnungsbedürftige Behandlungsart, die aber doch erstaunliche und gute Effekte erzielt hat.

Fußreflexzonenmassage

Das Bild zeigt einen Fuß in Großaufnahme. Die Nägel sind rot lackiert und ein Therapeut legt beide Hände an den Fuß.
Bei der Fußreflexzonenmassage

Die Fußreflexzonen-Massage ist vor allem eins: sehr schmerzhaft. Die Technik ist in der Regel nicht als Wellnessbehandlung gedacht, das sollte man bedenken. Als Jugendliche war ich über zwei Jahre immer wieder bei einer Therapeutin in Behandlung, die diese Massagetechnik angewandt hat. Damals plagten mich schlimme Bauchschmerzen, gegen die nichts half und kein Arzt konnte eine Ursache finden. Die Fußreflexzonen-Massagen waren das Einzige, was mir damals Linderung verschaffte, obwohl auch damals die eigentliche Behandlung immer sehr schmerzhaft war.

Der Masseur im Gasteiner Heilstollen erklärt mir sein Vorgehen und welche Bereiche besonders schmerzhaft reagieren: die Reflexzonen verschiedener Gelenke (etwa Knie und Hüfte). Ich hatte lediglich eine Sitzung dort, darum ist es schwierig, einen unmittelbaren Effekt festzustellen – so etwas braucht seine Zeit. Da die Behandlungen so abliefen, wie ich es von früher kannte, denke ich, dass sie Hand und Fuß haben (haha 😛 ).

Physiotherapie bzw. Einzelgymnastik/Heilgymnastik

Der große Vorteil an den Physio-Therapeuten im Gasteiner Heilstollen ist, dass sie sich sehr gut mit Erkrankungen des Bewegungsapparates auskennen. Viele von ihnen arbeiten bereits seit Jahren oder Jahrzehnten im Haus und kennen die Probleme von Morbus-Bechterew-, Fibromyalgie- und anderen Rheuma-Patient*innen gut. Sowohl manuelle Techniken als auch Gerätetraining sowie das Erlernen von Eigenübungen werden angewandt. Dieses Jahr konzentrierte sich der Therapeut auf die Behandlung meiner schmerzenden BWS. Es ging zwar ziemlich grob zu, aber es war auszuhalten und danach ging es mir besser.

Einen kleinen Schreck habe ich ihm bei meiner Eigenübung eingejagt. Seitlich auf dem Boden verrenkt, soll ich verkürzte und verklebte Faszien dehnen. „Moment, ich muss mal kurz aufhören weil jetzt mein Arm eingeschlafen ist“, sage ich und löse die Position auf. Da wird er ganz nervös und sagt, dass das auf verkürzte Nerven hindeuten könne und ich an einem solchen Punkt auf keinen Fall weitermachen soll. Ich musste fast lachen – ich kenne es ehrlich gesagt nicht mehr anders. Mir schläft ständig irgendwas ein, ich wundere mich schon gar nicht mehr darüber.

An alle Fibros: Schreibt mal in die Kommentare, ob ihr das auch kennt.

Lymphdrainage

Die einzige Behandlung, die wirklich neu für mich ist, ist die Lymphdrainage. Ein Arzt hatte mir vor einiger Zeit wiederholt dazu geraten, weil das bei Fibromyalgie helfen könne, Schmerzbotenstoffe abzutransportieren oder auch bestimmte Bereiche im Körper besser zu versorgen. Viele Fibros klagen auch häufig über Ödeme, bei mir hält sich das zum Glück in Grenzen. Die Morgensteifigkeit rührt, im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen, bei Fibromyalgie meist von vermehrten Wassereinlagerungen im Gewebe. Daher können Lymphdrainagen Linderung verschaffen. Der Therapeut des Heilstollens erklärt mir ganz genau, was eine gute Lymphdrainage ausmacht und wie er dabei vorgeht. Die Anwendung empfinde ich als sehr entspannend und dadurch, dass nur ein sehr sanfter Druck ausgeübt wird, ist sie sehr gut verträglich.

Thermalbäder mit Alpenpanorama

Das Bild zeigt das Außenbecken der Felsentherme Bad Gastein. Im Vordergrund ist ein Geländer zu sehen. Im Hintergrund ein Wolkenverhangener Berghang. Vom Beckenwasser steigt Dampf aus.
Außenbecken der Felsentherme Bad Gastein

Mit am meisten genossen habe ich meine Aufenthalte in den beiden Thermalbädern. Sowohl Bad Gastein, als auch Bad Hofgastein können mit Thermalbädern aufwarten. Die ältere und kleinere Felsentherme in Bad Gastein versprüht einen ganz eigenen Charme. Besonders attraktiv bei Schnee: man kann direkt auf die Pisten und Lifte gucken und in der Sauna sitzend schon beinahe den Skifahrern zuwinken. Toll und eher ungewöhnlich für Thermalbäder ist, dass es in beiden einen extra Familienbereich mit Rutschen und Spielmöglichkeiten gibt. So kommt jede*r auf seine/ihre Kosten.

Das Wasser für die Thermen stammt aus den Thermalquellen vor Ort, die über unterschiedlich hohe Radon-Konzentrationen verfügen. Für die der Allgemeinheit zugänglichen Bäder wird es entradonisiert, ein Rest Radon kann jedoch enthalten sein. Bei mir hat es keine zehn Minuten gedauert, bis sich meine Gelenke wieder bemerkbar gemacht haben. Einen Effekt, den ich von normalem Thermalwasser nicht kenne.

Wunderschön finde ich die moderne Alpentherme in Bad Hofgastein. Hier gibt es drei große, separierte Bereiche: den Wellnessbereich, den Bereich für Familien und die riesengroße Saunalandschaft – im gesamten Saunabereich zählte ich ganze 15 Saunen und Dampfbäder. Toll finde ich auch, dass es sogar einen eigenen Saunabereich nur für Frauen gibt. In einem Ruheraum mit Wasserbetten kann man gepflegt mit Chillout-Musik über Kopfhörer in andere Welten abdriften. Ein Highlight sind die Aufgüsse, die in einer speziellen Sauna einmal pro Stunde stattfinden („Cascadia“). Dort war ich bei einem Bieraufguss, ja ihr habt richtig gelesen BIERaufguss :D. Das war ein so skurriles Erlebnis, dass es dazu noch einen eigenen Text geben wird.

FAZIT

Mein Fazit ist: die Kur im Gasteiner Heilstollen hat sich schon jetzt mal wieder mehr als gelohnt! Nun hoffe ich, dass ich euch einen besseren Einblick in die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten im Gasteiner Heilstollen und dem Gasteiner Tal bieten konnte. Mehr erfahrt ihr auch in meinem Artikel ersten Bericht zu meiner Heilstollenkur.

Sind bei euch sonst noch Fragen offen geblieben? Schreibt es in die Kommentare hier unten, oder auf Facebook, Instagram oder auf Twitter.

Bei Fragen zu eurem speziellen Fall (medizinische oder organisatorische), wendet euch an den freundlichen und kompetenten Patientenservice Rufnummer: +43-6434-3753 0 oder schreibt eine Mail an patientenservice@gasteiner-heilstollen.com.

Mehr Informationen zum Gasteiner Heilstollen findet ihr auf: https://www.gasteiner-heilstollen.com/de/ .

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Eure FibroFee 

[1] Ausführliche Informationen zu wissenschaftlichen Studien können beim Gasteiner Heilstollen angefordert werden.

MEDIZINISCHER DISCLAIMER

Dieser Bericht gibt lediglich meine eigenen, individuellen Erfahrungen aus Patientensicht wieder. Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen können die Beratung durch einen Arzt nicht ersetzten und sind keine medizinischen Anweisungen. Die Informationen hier dienen der Vermittlung von Wissen und können die individuelle Betreuung bei einem Arzt oder Therapeuten nicht ersetzen. Die Umsetzung der hier besprochenen Empfehlungen sollte deshalb immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden.

Wie sieht´s aus?

Eindrücke aus dem Kurhaus des Gasteiner Heilstollens, aus Böckstein und den Thermalbädern in Bad Gastein und Hofgastein.

 

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One Reply to “Mit Radon gegen den Schmerz – Bericht über meine Fibromyalgie-Kur, Teil 2 (Anzeige)”

  1. Bin froh und dankbar auf diese Seite gestoßen zu sein ….-‚denke daß könnte auch etwas für mich sein – habe wieder etwas Hoffnung …-„fühle mich hier nämlich gerade etwas verloren…“-RHEUMAKLINIK BLANKENSTEIN „HATTINGEN ‚-„MfG

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