Von Fibromyalgie, dem Murmeltier und einer Zeitreise

Hier folgt die Fortsetzung der Geschichte von Dr. Bullfrog: hier geht’s zum kompletten ersten Teil.

WAS BISHER GESCHAH:

Die Protagonistin Ria trifft in einer Kuranstalt unerwartet auf einen Arzt, der einem Ochsenfrosch gleicht – Dr. Bullfrog. Dieser hält einen Monolog darüber, dass er herausgefunden habe, wie die Krankheit Fibromyalgie geheilt werden könne. Seine haltlosen Erklärungen und die Urteile, die er über Ria fällt, ohne sie zu kennen, machen sie sprachlos und vor allem wütend. Doch bevor sie zu Wort kommen kann, ist das „Gespräch“ auch schon vorbei. Wutentbrannt stürmt sie aus der Kuranlage hinein in den Wald. Plötzlich dringt ein Wispern aus einem Gebüsch, dem sie durch das Dickicht folgt.

TEIL 2: VON FIBROMYALGIE, DEM MURMELTIER UND EINER ZEITREISE

Hier sitze ich nun also, auf diesem großen grauen Stein, der mit Moos gepolstert ist und mir gegenüber sitzen, auf drei weiteren Steinen, ein Eichhörnchen, ein Feuersalamander und ein Dachs. Und alle drei haben sie mit mir gesprochen. Ja, ich habe es ganz genau gehört. Aber glauben tue ich es noch nicht. Ob das Gestrüpp, durch das ich eben gekrochen bin und das mir ein paar brennende Schürfwunden am Oberarm verpasst hat, wohl irgendwelche Gifte abgesondert hat, die mich jetzt in eine Art halluzinogenen Wachtraum versetzen?

„Ich finde, sie guckt ein bisschen wie du, wenn du wieder mal ein paar Bissen zu viel von den kleinen blauen Pilzen erwischt hast“, sagt das Eichhörnchen zum Dachs und zieht eine Grimasse, indem es die Kinnlade nach untern fallen lässt und mit leerem Blick in die Ferne starrt.

„Ah wa! Des isch mir doch nur ein Mal passiert….oder vielleicht zwei…“, schwäbelt er zurück.

„Tiere, wenn ihr so weitermacht, dann muss ich wirklich noch ein paar meiner Pilze auspacken, wenn sie uns hier gleich vom Fels kippt!“, schallt eine helle, aber ein wenig dumpf klingende Stimme zu uns herüber.

Ich löse mich aus meiner Erstarrung und lasse meinen Blick suchend über die Lichtung schweifen. Links, das Ungetüm von einem Holunderbusch und etwa zehn Meter gegenüber eine gewaltige Trauerweide, hinter der ein kleiner Bach entlangplätschert. Ihre langen, geschwungenen Äste wiegen sich in einer leichten Brise sanft über dem Wasser. Der Fuß des Baumes ist so knorrig und die Wurzeln so ineinander verschlungen, dass diese hölzerne Gebilde ergeben, die wie kleine Kunstwerke aussehen. Ich sehe eine Struktur, die eine ebene Fläche bildet, die zu beiden Seiten von zartem, verwobenem Wurzelwerk umgeben ist. In der Tat sieht sie aus wie ein kleiner Thron. Direkt daneben bildet eine große Wurzel einen Bogen, unter dem ein Loch in die Erde, unter die Weide führt.

Aus dieser Höhle dringt ein Scharren, dann ein leises Fluchen und mit einem Zischen purzelt eine kleine Gestalt auf den lehmigen Boden.

„Verdammte Axt, überall diese Wurzeln. Ich brech‘ mir nochmal den Hals, wenn du so weiterwucherst!“, sagt sie und schwingt ihre kleine Faust der Baumkrone entgegen.

Ich ziehe meine Augenbrauen noch ein Stück weiter nach oben und starre dieses Wesen an, das sich nun den Staub von den Kleidern klopft. Es ist von menschlicher Gestalt, nur viel kleiner. Aufgerichtet reicht mir der Schopf vielleicht bis zu den Knien. Sie trägt eine enganliegende, dunkelbraune Hose aus weichem Gewebe, die ihre Unterschenkel frei lässt. Die Haut ist von einem Braunton, der dem hellen Anteil im Fell eines Frischlings gleicht. Ihr zierlicher Oberkörper steckt in einem blusenartigen Gewand in frischen Grüntönen, das vor der Brust von einem Geflecht aus Schnüren zusammengehalten wird. Die Taille umfasst ein kastanienbrauner Gürtel mit einer glänzenden Schnalle. Das lange, silberne Haar steht im Kontrast zu ihrer dunklen Haut und ist zu einem asymmetrischen Zopf geflochten, der vor ihrer linken Schulter herabfällt. Trotzdem stehen ein paar Strähnen wild ab, in denen sich einzelne Blätter verfangen haben.

Nun kommt sie rasch in unsere Richtung. Dabei sehe ich, wie mit jedem Schritt ein kleiner Beutel, der an der Seite ihres Gürtels herabbaumelt, dabei hin- und herschwingt. Ihre tiefgrünen Augen strahlen. Die Sonne wird so von ihrem Haar zurückgeworfen, dass es mich beinahe blendet, als sie im Gehen die Hand hebt, winkt und dabei ein kleines Stück vom Boden abhebt. Eine ganz und gar surreale Erscheinung.

„Wir haben dich schon erwartet, Victoria! Ich hoffe, das Empfangskomitee hat dir keinen allzu großen Schrecken eingejagt“, sagt sie und tritt in die Mitte des Steinkreises, auf dem wir Anderen sitzen. „Aber ich muss mich erstmal vorstellen. Ich bin Calla und das sind Dachs, Eichhörnchen und Salamander, meine fleißigen Helfer. Die hast du ja schon kennengelernt. Tja und das hier ist unsere bescheidene Lichtung“ sagt sie und deutet mit einer auslandenden Geste ringsumher. „Hübsch, nicht wahr?“

Ich nicke und suche nach Worten. In meinem Kopf herrscht so ein Durcheinander, da das, was ich sehe absolut nicht mit der Logik der Welt zu vereinen ist, wie ich sie kenne. Aber ich habe heute schon einmal eine schmerzhafte Erfahrung machen müssen, weil ich mich nicht früh genug zu Wort gemeldet habe.

„Schön, ja…. aber, äh, also, ich… ich verstehe das nicht ganz. Also DAS alles hier“, ich wedele mit meiner rechten Hand in ihre Richtung. „Ich meine ihr seid doch Tiere, oder? Wieso könnt ihr sprechen? Und du, was bist du? Woher kennst du meinen Namen? Und bitte, sagt Ria zu mir. Victoria nennen mich nur meine Eltern.“

„Nein, wir sind Aliens, die sich der Körper unschuldiger Erdlinge bemächtigt haben… Natürlich sind wir Tiere, sieht man doch! Ihr Menschen, glaubt auch immer, ihr seid die Einzigen, die irgendetwas können…“, schnaubt der Salamander neben mir.

„Na, na. Wir wollen mal nicht so streng sein!“, verteidigt mich Calla. „Nun, die Menschen haben mir viele Namen gegeben. Waldgeist, Elfe, Albe… Fee. Wobei sich mir bei den Vorstellungen, die sich die Menschen von uns machen, meistens die Haare sträuben. Aber so ist das eben, wenn man die meiste Zeit für euch unsichtbar bleibt. Dann geht eure Phantasie schon mal mit euch durch!“. Sie lacht ein heißeres Lachen, das mir wie Schmirgelpapier über die Haut streicht und das so gar nicht zu ihrem Äußeren passen will. Die anderen stimmen in ihr Lachen mit ein. Ich ziehe die Mundwinkel instinktiv nach oben, was aber ziemlich dämlich aussehen muss, denn das Eichhörnchen schneidet schon wieder eine Grimasse in meine Richtung.

„Und wir wissen natürlich, wie du heißt, seit du uns die Murmeltier-Meldung geschickt hast.“

Jetzt schaue ich garantiert noch blöder aus der Wäsche. „Die, äh, Murmeltiermeldung?“, sage ich und der Ton meiner Stimme rutscht etwas nach oben.

„Murmeltier-Meldung“, wiederholt der Dachs mit ernstem Gesicht und unterstreicht das Gesagte mit einem energischen Nicken. Alle Augen, die großen und kleinen, braunen, grünen und schwarzen sind fest auf mich gerichtet. Ich gucke nur mit fragendem Blick zurück.

„Ich habe keinen blassen Schimmer, wovon ihr redet. Könnt ihr mich jetzt mal aufklären, was hier eigentlich los ist?“

„Ja, wo fangen wir da am besten an… hmmmm“, suchend wandern Callas Augen über die Wiese. „Du hast doch heute diesen Ochsenfrosch getroffen.“

Verdutzt stammle ich: „Ja… genau. Aber woher… Ich dachte, nur ich hätte ihn so gesehen!“

„Gewissermaßen ja. Aber andererseits auch nicht. Nachdem du aus dem Zimmer der Kröte und in die Umkleidekabine gegangen bist, da hast du erst realisiert, was los war. Du hast dich gefragt, wie dir das passieren konnte, richtig?“

„Richtig“, stimme ich ihr zu.

„Und dann kam die Wut! Du hast dich innerlich regelrecht gesträubt. Gegen diesen nichtsnutzigen und unverschämten Arzt, aber auch gegen dich selbst. Oder besser gesagt, gegen dein eigenes Verhalten. Du hättest das alles am Liebsten rückgängig gemacht. Und hier kommen jetzt wir ins Spiel.“ Sie legt eine kurze Pause ein, in der sie mich eindringlich anschaut. „Da hast du dieses Türschloss gedreht. Wahrscheinlich ist es dir nicht aufgefallen, aber es ist das einzige dort, das gegen den Uhrzeigersinn schließt. Und in genau diesem Moment hast du dir gewünscht, das ganze Ungeschehen machen zu können.“

Nachdenkliches Nicken meinerseits.

„Und dann dieses unbändige Gefühl in dir. Es funktioniert nur, wenn die betreffende Person ein sehr starkes Gefühl von Wut, oder Reue oder etwas in der Richtung hat. Das dient sozusagen als Katalysator. Und wenn das alles zusammen, zum gleichen Zeitpunkt auftritt, dann macht das einen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum möglich. Muss aber nicht. Das hängt jetzt ganz von dir ab.“ Nun schauen alle vier erwartungsvoll zu mir.

„Einen Sprung im Raum-Zeit-Kontinuum?“, frage ich ungläubig. „Also damit ich das richtig verstehe… Ich wünsche mir, etwas rückgängig zu machen, bin wütend und drehe an diesem, Dings… an diesem Schloss…“

„Gegen den Uhrzeigersinn!“, wirft der Dachs ein.

„… gegen den Uhrzeigersinn, und dann, schwups, dann hab ich meine eigene Zeitschleife?“

„So in etwa, ja“, bestätigt Calla.

Ich schaue sie einen Moment an, bevor ich in schallendes Gelächter ausbreche. „Also wirklich, erst kommt diese Kröte und dann ihr mit eurer Geschichte vom Raum-Zeitkontinuum um die Ecke, ausgelöst durch das Drehschloss in einer Umkleidekabine… Ja, nee, is‘ klar.“ Ich schnappe japsend nach Luft. „Ich glaube, ich hab ein bisschen zu viel von der radioaktiven Strahlung abgekriegt, bei der Einfahrt heute. Ihr denkt doch nicht, dass ich euch das abkaufe? Wie bescheuert ist das denn?! Murmeltier-Meldung….pah! Was soll das überhaupt?“

„Na, wegen Bill Murray!“, sagt der Salamander.

„Woher kennt ihr denn bitte Bill Murray?“, frage ich verwirrt.

„Wieso denn nicht? Du kennst ihn ja auch. Sagt dir Phil Connors was? Der Groundhog Day?“

„Ach so! Du meinst Täglich grüßt das Murmeltier?“

„Ja genau, der Film! Könnt‘ ich mir immer wieder ansehen“, juchzt der Salamander. „Der hat uns jedenfalls so gut gefallen, dass wir es in Anlehnung daran seither Murmeltier-Meldung nennen. In den USA werden auch Murmeltiere als Zeit-Springer eingesetzt. Vermutlich basiert der Film, beziehungsweise das Buch, auf der Begegnung mit einem unserer amerikanischen Kollegen.“

„Es gibt noch mehr von euch? Ihr wollt mich doch verarschen! Irgendwer sitzt jetzt zu Hause vor seinem Monitor und lacht sich kaputt über mich!“. Ich stehe auf, lasse hektisch den Blick über die Umgebung wandern. Gucke nach oben in die Baumkronen, dann stapfe ich zu dem Holunderbusch und ziehe mit den Händen die Zweige auseinander. „Los, sagt schon, wo sind die Kameras? Die Mikrofone, wo sind sie?“. Meine schwarzen Haare verheddern sich in den Ästen, obwohl sie mir zur Zeit nur bis zur Schulter reichen. „Aua! Verdammter Mist… arghh…“.

Das Eichhörnchen hüpft flink die federnden Äste des Holunders empor und entwirrt mit seinen geschickten Tatzen die Knoten.

„Danke!“, sage ich und lasse mich erschöpft wieder auf einen der Steine sinken.

„Jetzt beruhigst du dich erst mal. Tief einatmen, und ausatmen“, sagt Calla und bewegt die Arme auf und ab. „Ich weiß, das ist jetzt alles ein bisschen viel auf einmal. Aber woher sollten wir denn sonst wissen, was heute passiert ist?“

„Ja, keine Ahnung! Wanzen, die NSA, ein Stasi-Rentner der sich einen kleinen Scherz erlaubt, Langeweile hat und heimlich Aufnahmen macht. Genug in dem Alter springen ja da oben rum, im Kurhaus. Oder irgendwer hat sich in mein Smartphone gehackt.“

„Und wieso wissen wir dann, dass der Arzt für dich zum Ochsenfrosch geworden ist, hä?“, fragt mich der Salamander mit triumphierendem Blick.

„Das würde ich aber auch gerne wissen!“, gebe ich zurück. Kurz ist es still auf der Lichtung. Dann setzt Calla von Neuem an.

„Es ist so, dass, sobald du den Mechanismus auslöst, können wir alles sehen, was du siehst. Wir müssen nur die Augen schließen. Und schon sehen wir vor unserem geistigen Auge deinen Lebensfilm ablaufen.“

Was für eine Vorstellung, dass sich jemand einfach so in mein Leben einklinken kann, ohne dass ich etwas davon mitbekomme… Ich ziehe unwillkürlich die Schultern nach oben. „Das ist ja total gruselig. Aber ich verstehe das immer noch nicht. Wozu das alles? Ich meine, was habt ihr damit zu tun?“

„Gegenfrage: Was ist falsch gelaufen an der Situation heute?“, sagt Calla und ihre Stimme bekommt einen tiefen, fast hypnotischen Ton.

Ich überlege kurz, bevor ich antworte. „Ich habe die ganze Zeit auf den Moment gewartet, an dem ich hätte einhaken können. In dem ich meine Sicht der Dinge hätte darstellen können. Und dann war ich die ganze Zeit damit beschäftigt, nach einer schlagfertigen Erwiderung zu suchen… aber der Moment kam einfach nicht. Und dann war’s zu spät. Da hätt ich einfach nur noch meinen Kopf gegen die Wand schlagen wollen. Oder noch besser: seinen!“

„Das hätte er verdient gehabt, der selbstverliebte Vollpfosten!“, bekräftigt der Salamander. Ich bin überrascht, welche Lautstärke die Stimme dieser kleinen Amphibie annehmen kann.

„Du möchtest also etwas daran ändern?“, fragt Calla eindringlich.

„Na ja, wenn ich könnte… In dem Moment war ich einfach nur wie angewurzelt und fassungslos vor so viel geballter Ignoranz. Da hat es mir irgendwie die Sprache verschlagen. Auf so etwas bin ich absolut nicht vorbereitet gewesen. Dabei hätte ich es besser wissen sollen…“

„Und täglich grüßt das Murmeltier“, rufen die drei Tiere im Chor.

„Aber echt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mir so einen absoluten Scheiß von einem Arzt anhören musste…“

„Und jetzt mal, rein theoretisch: was würdest du anders machen, wenn du noch einmal die Chance hättest, die ganze Situation rückgängig zu machen? Was wäre, aus deiner Sicht hier und jetzt, eine gute Reaktion gewesen?“.

So langsam habe ich das Gefühl, dass Calla mit ihren Fragen auf etwas ganz Bestimmtes hinaus möchte. „Hm, das ist eine gute Frage. Da muss ich erstmal drüber nachdenken…“. Ich grüble und merke aber, wie mir die Wut auf das Vergangene, auf diesen Vollidioten, aber auch auf mich selbst das Denken vernebelt. „Also, ganz ehrlich. Im Moment würde ich wahrscheinlich direkt an der Türschwelle ausrasten. Sobald er dieses ,fesch‘ fallen lässt. Hallo, geht’s noch?! Ein solches Gespräch soll doch ein geschützter Rahmen sein, in dem ich frei sprechen kann. Ein Arzt sollte doch jemand sein, zu dem ich Vertrauen haben kann. Und selbst wenn es kein Arzt ist, der so etwas sagt: das ist total unangebracht, daneben, übergriffig…“. Ich rede mich richtig in Rage. „…und, und einfach nur zum Kotzen! Das ist Sexismus als Kompliment verpackt! Und der glaubt dann auch noch, er würde mir einen Gefallen tun und ich müsste mich drüber freuen! Der eklige, alte Sack!“

Der Salamander fängt an zu johlen und zu lachen und schreit „Genau, richtig so! Das hättest du ihm mal vor den Latz knallen sollen. Was glaubst du, wie blöd der geguckt hätte? Hahaha. Hätte ich Hände, ich würde jetzt klatschen!“

„Aber in dem Moment ging einfach alles so schnell! Ich war total fassungslos und perplex… da fehlen einem einfach die Worte.“

„Okay, ich versteh‘ dich. Eine etwas verzwickte Situation… aber ich denke, wir können dir helfen.“

„Ihr, mir helfen? Also, das ist ja echt nett und so, wirklich. Aber ich seh‘ echt nicht, wie ihr mir da helfen könntet.“

„Und da simmer wieder bei der Murmeltier-Meldung“, sagt der Dachs zu meiner Seite.

„Jetzt ist aber mal Schluss mit eurer Murmeltier-Meldung! Was hat das jetzt damit zu tun?“

„Da hast du die Zeitschleife ausgelöst! Beziehungsweise die Möglichkeit einer Zeitschleife.“ Das Eichhörnchen rudert fuchtelnd mit seinen Ärmchen durch die Luft. „Also, nochmal. In dem Moment, in dem du, voller Wut, das Türschloss zurückgedreht hast, ging bei uns die Mu… die Meldung ein. Danach hast du den Weg zu uns gefunden…“

„Den Weg zu euch gefunden? Das war doch purer Zufall! Ich konnte einfach nicht den Bus nehmen, so geladen wie ich war.“

„Zufall, Schicksal. Manchmal ist das alles das Gleiche. Viele Wege führen nach Rom… oder eben zu uns“, sagt das Eichhörnchen und zuckt mit den Schultern.

Ich schlage die Hände vor mein Gesicht und lasse mich etwas den Stein hinunterrutschen. „Ich versteh das alles nicht… wie soll das denn jetzt weitergehen? Was soll das denn ändern?“

„Das können wir nur mit dir zusammen herausfinden! Nur, wenn du das willst, natürlich!“.

Ich hebe meinen Kopf: alle schauen sie mich erwartungsvoll an. „Ihr seid echt hartnäckig, was? Also zusammen… und wie genau soll das aussehen?“ Calla nickt und lässt weiter ihren Augen fest auf mich gerichtet.

„Wenn du bereit bist, kann ich mit deiner Hilfe die Zeit für einen Augenblick zurückdrehen. Exakt bevor das Ereignis beginnt, dass das starke Gefühl in dir ausgelöst hat. In dem Fall, bevor du das Sprechzimmer betrittst.“

„Und wie soll ich mich dann verhalten? Ich dreh doch schon durch, wenn ich auch nur an diese Kröte denke!“

„Und da kommen wir ins Spiel!“, strahlt mich das Eichhörnchen an.

„Du kannsch entscheiden, ob und wen von uns du dabeihaben willsch!“, pflichtet ihm der Dachs bei.

„Und dann werden wir’s der Kröte so richtig zeigen“, setzt der Salamander nach.

Ich schaue in ihre erwartungsvollen Gesichter. „Das ist euer voller Ernst?“, frage ich.

„Na klar!“, ruft das Eichhörnchen beschwingt.

„Und ich sitze dann, mit einem Eichhörnchen, einem Salamander und einem Dachs bei Dr. Bullfrog und geige ihm die Meinung?!“ Ich breche bei der Vorstellung kurz in glucksendes Gelächter aus.

„Jap, genau so. Wenn du das willst“, bestätigt Calla.

Ich schüttele den Kopf und murmele „Absurd… einfach nur total absurd… da ist die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten ja geradezu glaubhaft dagegen…“ Ich starre einen Moment lang in die Ferne. Ein zweites Mal an diesem Tag rasen meine Gedanken. Kurz sehe ich noch einmal die Fratze des Frosches innerlich vor mir. Dann fokussiert mein Blick wieder die gespannten Mienen um mich herum. Und plötzlich bin ich ganz ruhig und klar. Mit fester Stimme sage ich: „Also gut! Ich habe zwar keine Ahnung, was hier abgeht, und wer ihr seid und wie das alles funktionieren soll… aber Scheiß drauf! Was hab ich schon zu verlieren?“, sage ich und lache.

„Dann habe ich noch eine letzte Frage an dich.“ Calla schaut mich eindringlich an.

„Und die wäre?“

„Warum ist dir das wichtig, die Zeit zurückzudrehen?“

„Weil mir nie wieder Jemand, der mich überhaupt nicht kennt und der sich auch nicht die geringste Mühe gibt, das zu tun, völlig verfehlte Ratschläge für mein Leben geben soll!“

„Sehr gut. Dann kann ich nur sagen, lass uns loslegen!“

Sie streckt den Arm mit der flachen Hand aus und Reihum legen die anderen ihre Pfoten darauf. Als Letztes bin ich an der Reihe. Als meine Hand die Callas berührt kribbelt es in meinen Fingerspitzen, die Lichtung um mich herum verschwimmt und es fühlt sich an, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. Die wirbelnden Farben und das Licht um uns herum werden so grell, dass ich für einen Moment die Augen schließe.

Als ich sie wieder aufmache und um mich schaue, sehe ich den großen Flachbildschirm, auf der die Präsentation mit Hochglanzbildern der Kuranlage läuft. Um mich herum Stühle in dem orange-gelben Warteraum. Ich lasse den Blick an mir heruntergleiten und blicke auf meinen gemusterten Bademantel und die pinken Badelatschen.

Da höre ich, wie eine männliche Stimme, meinen Namen ruft.

Fortsetzung folgt….!

Auch, wenn das hier eine etwas andere Art von Text ist, als ihr sie vielleicht aus meinem Fibromyalgie-Bullshit-Bingo kennt, würde ich mich sehr über Kommentare von euch freuen! Hat euch die Geschichte gefallen? Was fällt euch dazu ein? Legt doch gleich hier unten los ;-).

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2 Replies to “Von Fibromyalgie, dem Murmeltier und einer Zeitreise”

  1. Das wär ja schön wenn es das gäbe, würde ich mir auch manchmal wünschen weil mir gute Komentare meist auch zu spät einfallen. Bin schon gespannt wie es weiter geht . L.G. Vera

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