Entspannte Weihnachten für Chroniker*innen – Meine 10 besten Tipps

1. Oh du… scheiß doch drauf – Perfektionismus über Bord werfen

Was ist der größte Stressfaktor am ganzen Weihnachtszirkus? Vermutlich die Erwartungen. Da sind natürlich unsere eigenen Erwartungen an Weihnachten. Und dann noch die der anderen, der Familie. Nicht selten prallen hier Welten aufeinander. Die Kinder wollen viele Geschenke – am besten sofort. Oma Erna will unbedingt alle Weihnachtslieder von A wie „Alle Jahre wieder“ bis Z wie „Zu Bethlehem geboren“ mit der ganzen Familie trällern. Onkel Heinz ordert alle 15 Minuten einen neuen Schnaps. Und der Hund wartet die ganze Zeit darauf, bis jemand das duftende Federtier in der Küche aus den Augen lässt.

Als Heinz bei „Oh du ssssliger Tannnnbauuum“ vom Stuhl kippt, wittert Bello seine Chance – schöne Bescherung.

Darum sollten wir uns klar machen: es gibt nicht DAS perfekte Fest. Das Hochglanz-Glitzer-Heile-Welt-Bild aus der Werbung ist eine Illusion, nicht die Realität. Müssen es also immer zehn Sorten Plätzchen sein? Muss jedes Zimmer wirklich glänzen wie der Stern von Bethlehem? Muss die Deko aussehen wie aus „Schöner Wohnen“? Muss man immer alle Erwartungen erfüllen – seine eigenen eingeschlossen?

Nö.

Du bist chronisch krank, da kann und wird keine*r von dir an Weihnachten erwarten, dich wie ein*e Gesunde*r zu verhalten. Tu‘ du es auch nicht.

2. Was ist dir an Weihnachten wichtig? Setze deine Prioritäten

Schritt zwei für eine entspannte Adventszeit ist darum, dir bewusst zu machen, was für DICH wirklich wichtig ist. Vielleicht ist es einfach nur, Zeit mit deinen Kindern zu verbringen? Dann schlage den Adventskaffee beim Kollegen oder der Tante aus. Vielleicht willst du über die Festtage nur Zeit mit deinem Partner oder deiner Partnerin genießen? Dann buche eine Reise zu zweit. Der Besuch des Krippenspiels setzt dir zu, weil die harte Kirchenbank und die zugige Luft deine Gelenke strapazieren? Dann bleib zu Hause und nutze die Zeit, wieder aufzutanken.

Meine chronische Krankheit erinnert mich jeden Tag daran, zu entscheiden, was mir wichtig ist. Meine Energie ist begrenzt. Und wenn ich mir zu viel zumute oder Dinge mache, die meine Schmerzen nur verstärken, haben weder ich noch mein Umfeld etwas davon. Ich investiere meine Energie zuallererst in die Dinge, die mir wichtig sind – oder versuche das zumindest. Alles Weitere ist Bonus und nice to have.

Du bist chronisch krank, da kann und wird keine*r von dir erwarten, dich an Weihnachten wie ein*e Gesunde*r zu verhalten. Tu‘ du es auch nicht.

3. Was brauchst du an Weihnachten? Mach dir deine Bedürfnisse bewusst und kommuniziere sie

Stell dir jetzt einmal die Frage, was du brauchst, um ein entspanntes Weihnachten zu verbringen?

Ich kann nur für mich sprechen; bei mir sind es: Ruhe und Pausen, ein verträgliches Essen, das mich satt macht und eine gemütliche Sitzgelegenheit im Warmen.

Um meine Ressourcen zu schonen, komme ich später als andere oder nach dem großen Begrüßungstrubel, gehe auch mal früher oder bleibe ganz zu Hause. Zwischendurch ziehe ich mich in die Küche zurück oder schnappe mir einen Hund und geh mir mit ihm die Beine vertreten.

Um mein Essen kümmere ich mich meistens selbst – da bin ich sicher, dass wirklich nichts drin ist, was ich nicht essen kann und erspare mir und anderen Stress.

Ich suche mir außerdem immer einen Sitzplatz auf dem Sofa, am Kamin oder schnappe mir eine Decke.

Egal, was es in deinem Fall ist: mach dir deine Bedürfnisse klar, kümmere dich selbst um sie und kommuniziere, was du brauchst. Niemand kann in dich hineinschauen und andere werden froh sein zu wissen, wie sie dich unterstützen können.

Mach dabei konkrete Vorschläge und sage besser „Ich würde gerne auf dem Sofa sitzen“ anstatt „Ich brauch eine gute Sitzgelegenheit“.

Mach dir deine Bedürfnisse klar, kümmere dich selbst um sie und kommuniziere, was du brauchst.

4. Plane rechtzeitig und sprich dich ab

Nimm dir Zeit im Voraus zu planen. Wenn du zu den Feiertagen eingeladen bist, rufe vorher an, um Dinge wie das Essen oder den Zeitplan zu besprechen. Und mit vorher meine ich deutlich mehr als drei Tage! Dann ist auch Zeit, in Ruhe darüber aufzuklären, warum du an Weihnachten vielleicht nicht den ganzen Abend dabei sein kannst oder den Nachtisch nicht essen wirst. So vermeidest du Kränkungen auf beiden Seiten.

Überlege dir, was für Hilfsmittel oder Medikamente du eventuell benötigst und vereinbare eine Vorgehensweise mit einer Vertrauensperson, sollte dir etwas zu viel werden. Sie kann dich im Notfall nach Hause fahren oder in ein ruhiges Zimmer verfrachten.

5. Kümmere dich um das Thema Essen – feiern mit Allergien und Unverträglichkeiten

Das Essen ist ein großes Thema in der Weihnachtszeit – und das ganze Jahr über bei uns Chroniker*innen. An jeder Ecke locken Plätzchen und Glühwein, aber ungefähr genauso viele Trigger.

Damit kein „Alarm im Darm“ oder ein Mageninferno ausbricht, gibt es genau zwei Möglichkeiten: Entweder du kommunizierst ganz genau, was du essen kannst und bringst am besten gleich konkrete Rezeptideen ein; oder du kümmerst dich selbst um dein Festmahl.

Ich wähle Letzteres, seit es mir einmal passiert ist, dass ich zu Weihnachten an trockenem Brot und einer grausigen österreichischen Kochkäsespezialität mit der Konsistenz von Knetmasse kaute, die aus den Tiefen der Kühltruhe gekratzt wurde (damals aß ich noch Käse).

Ich koche entweder selbst und habe bei Auswärtsfesten etwas Tiefgefrorenes, Reste vom Vortrag oder eine Dose mit Eintopf vom Bio-Dealer dabei. Safety first.


An dieser Stelle möchte ich den Blog „Freiknuspern – Rezepte für Allergiker“ empfehlen: ob glutenfrei, ohne Nüsse oder vegan, hier findest du ein leckeres Rezept! Und meinen all time favourite „Veggies“, wo Lea jedes Jahr ein tolles Weihnachtsmenü entwirft!


6. Steck ein Notfallset ein – erste Hilfe nach der Weihnachtsvöllerei

Du hast es während der Festtage doch einmal übertrieben? Oder der ganze Trubel schlägt dir auf den Magen-Darm-Trakt?

Klar, es wäre schön, wenn es gar nicht so weit kommen würde. Aber seien wir ehrlich: chronisch krank zu sein, bedeutet auch, das nicht immer steuern zu können. Und wenn man sich das ganze Jahr über zurückhält, wer sollte es einem da verdenken, wenn man mal über die Stränge schlägt?

Meine Allzweckwaffe gegen Magenbeschwerden ist kandierter Ingwer. Den habe ich immer in der Handtasche und wann passt die Wunderwurzel besser als zu Weihnachten?

Gegen Blähungen solltet ihr auch gewappnet sein. Entweder ihr plündert die Küche nach Fenchel, Anis und Kümmel oder fahrt ein paar härtere Geschütze auf – diverse Behandlungsmöglichkeiten von Blähungen findet ihr im verlinkten Artikel von Netdoktor. Ich schwöre auf entschäumende Mittel.

Auch gegen Völlegefühl, Übersäuerung und lahme Verdauung stehen Mittel zur Verfügung. Natron, Kräuter, Trockenfrüchte oder Leinsamen werdet ihr in den meisten Küchen finden. Aber überlasst besser nichts dem Zufall und habt ein Notfallkit in der Tasche – Heilerde und Kohletabletten dürfen bei mir nie fehlen!

Eine gute Idee ist außerdem ein Verdauungsspaziergang und Wärme auf den Bauch packen.

7. Plane Ruhepausen ein und such dir Rückzugsmöglichkeiten

Um die Festtage und die ganze Weihnachtszeit gut zu überstehen, ist das für mich die Basis: immer mit genug Pausen planen!

Sieh diese Pausen als genauso wichtig an wie Verabredungen mit anderen oder Zeit für festliche Vorbereitungen. Wenn nötig, blocke dir bewusst bestimmte Tage oder Zeiten in deinem Kalender, die nur dafür gedacht sind.

Und auch wenn es verlockend ist: sich aufs Sofa zu pflanzen und Instagram durchzuscrollen bis zum get no,  gilt nicht als Entspannung. Da prasseln so viel neue Informationen auf das Gehirn ein, dass Abschalten nicht möglich ist.

Für mich ist das Mittel der Wahl Meditation. Tägliches Meditationstraining hinterlässt sichtbare Spuren im Gehirn. Und kurze Einheiten von 5-10 Minuten am Tag sind effektiver als zwei längere Sitzungen über die Woche verteilt. Meditation verbessert auch Beziehungen, senkt Reizbarkeit wie Stresslevel und reduziert Schmerzen ähnlich stark wie gewisse Medikamente.  

Die perfekte Unterstützung für entspannte Weihnachten für Chroniker*innen, oder? Ich habe meine Meditationsübungen auf dem Smartphone und ziehe mich gezielt zurück – wenn kein Zimmer frei ist bleibt immer noch die Toilette für eine kurze Pause.

Aber auch ein entspannendes Bad in der Wanne, eine Traumreise oder ein Zeit in der Natur sind ebenfalls tolle Möglichkeiten zum aktiven Abschalten.


Auf Youtube oder Spotify findet ihr kostenlos geleitete Traumreisen, Meditationen und Entspannungsübungen. Noch mehr Übungen findest du in den Links.


Sieh Pausen als genauso wichtig an wie Verabredungen mit anderen oder Zeit für festliche Vorbereitungen.

8. Gib an Weihnachten Aufgaben ab und teile sie auf

Du musst nicht alles alleine schaffen, auch nicht an Weihnachten! Du bist chronisch krank und es ist völlig okay, dass du dir Hilfe holst und dich nicht um alles kümmerst.

Überlege dir, welche Aufgaben andere übernehmen können und verteile die Aufgaben klar und frühzeitig. Die Kinder können den Tisch decken oder dekorieren vielleicht gerne den Baum. Auch den Hausputz kannst du abgeben oder aufteilen. Bitte Schwager*Schwägerin, Tante oder Cousin ein Dessert oder einen Salat beizusteuern. Oder bitte darum, das Fest an Weihnachten auszulagern und sei selbst Gast!

9. Stopp den Geschenkewahnsinn

Ein weiterer großer Stressfaktor sind die zahlreichen Geschenke, die ausgesucht, verpackt und überreicht werden wollen. Aber willst du das auch?

Eine gute Idee ist es, auch hier früh zu planen. Wer sagt denn, dass man Geschenke nicht schon im Herbst besorgen kann?

Vielleicht geht dir der Geschenkewahnsinn auch so auf die Nerven, dass du selbst einmal drum bittest, gar nicht beschenkt zu werden. Falls das nicht nach deinem Geschmack ist, du aber lieber auf Kram, der nur in der Ecke verstaubt, verzichten möchtest: schreibe deine Wünsche auf und verschicke die Liste. Es gibt mittlerweile zahlreiche Online Wunschzettel, wie etwa nocake, wishsite oder wunschzettel.

Umgekehrt funktioniert das übrigens auch gut. Bevor du dir den Kopf darüber zerbrichst, was du schenken kannst, frag einfach nach Wünschen!

Ich selbst habe eine recht große Verwandtschaft und jedes Jahr rund 30 Leute zu beschenken. Mein seit Jahren erfolgreich praktiziertes Modell nenne ich „Kollektivgeschenk“. Das heißt, nur ein paar Leute bekommen ein individuelles Geschenk. Für den Rest gibt es das gleiche. Da steckt aber nicht weniger Liebe drin, denn es ist immer etwas Selbstgemachtes. Meistens etwas zu Essen. Ob selbst verzierter Plätzchenteller, Eintopfmix im Glas oder Kräuteröl – so etwas geht immer.  Schont obendrein Geldbeutel und Ressourcen und schlägt dem Konsumwahnsinn ein Schnippchen.

Was ich an dieser Stelle sicher nicht erwähnen muss: für alle Chroniker*innen, denen der Trubel in den Läden und auf Weihnachtsmärkten zu viel ist, ist Online-Shopping das Mittel der Wahl.

10. Setze Grenzen und verteidige sie

Was alle mit einer chronischen Erkrankung lernen sollten, wenn sie ihre Gesundheit ernst nehmen, ist, Grenzen zu setzen. Das gilt besonders in der vollgepackten Zeit vor Weihnachten.

Dazu musst du erstens deine Grenzen kennen und sie zweitens auch verteidigen lernen – nur so wird es dir langfristig besser gehen und deine Beziehungen zu anderen einfacher.

Einen tollen Artikel darüber, wie du lernst Grenzen zu setzen, findest du auf „Selbstbewusstsein stärken“.

Dort heißt es:

Wenn du merkst, dass du an deine Grenzen stößt, sag dir Folgendes:

„Okay, ich akzeptiere meine Grenze. Ich verstehe, dass diese Grenze nötig ist, damit es mir weiterhin gut gehen kann. Nur wenn es mir gut geht, kann ich für mich und für andere da sein.“

Es ist okay, wenn dir die Weihnachtsfeier zu viel ist. Es ist okay, wenn es dir zu anstrengend ist für fünfzehn Leute zu kochen. Es ist okay, wenn du dir deine Pausen nimmst. Für das alles gibt es eine Lösung: sprich darüber und sei offen für Wege abseits der eingefahrenen (Weihnachts)Traditionen!

Mantra

Ich wünsche euch frohe Weihnachten!

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Denkanstöße und Hilfestellungen geben. Ich wünsche euch allen eine möglichst entspannte Festzeit!

Mein Motto, wenn mir der Weihnachtstrubel dieses Jahr zu viel werden sollte:

Oh du … scheiß doch drauf ;).

Fandet ihr die Tipps hilfreich? Was habt ihr noch für Tipps auf Lager? Wie gestaltet ihr euer Weihnachten chroniker*innen-konform? Lasst mir eure Gedanken und Anregungen gerne in einem Kommentar da und die besten Strategien austauschen!

FAQ und Hilfe

Hier findest du Alles, was du über Fibromyalgie wissen musst

Bild: Freepik und FibroFee

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