Fibromyalgie-Bullshit-Bingo Vol. 14 „Immer bist du müde“ – Was du über Fatigue wissen solltest

Foto von Frau, die erschöpft im Bett sitzt und die Hand vor ihre Augen hält. Text daneben: "Fatigue bei Fibromyalgie? Was du darüber wissen solltest. Bullshit-Bingo Vol. 14"

Synapsenparty

Der Wecker klingelt. Es ist acht Uhr. Meine Beine fühlen sich an wie Blei. Ich rolle mich ächzend aus den Laken. Mein Gesicht sieht so zerknittert aus wie der Stoff neben mir.

„Oh Gott, wo ist nur die Nacht hin? Habe ich wirklich geschlafen? Wie lang lag ich denn im Bett?“

Mein Blick schweift zu den orange leuchtenden Zahlen auf dem Display.

„Neun Stunden??? Willst du mich verarschen????? Niemals. NIE-MALS.“

Das muss ein Irrtum sein. Ein ganz gewaltiger Irrtum.

„Hier liegt eine Verwechslung vor!“ …. „Hallo…?“ „Hört mich jemand….?“

„Ja, KLAR! Geile Party heute Nacht!“

„Wie, was? Welche Party?!“

 Oh nein, nicht schon wieder.

Grafik mit Text: "Immer bist du müde." Fatigue bei Fibromyalgie erklärt.
Fibromyalgie-Bullshit-Bingo Vol. 14

Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist für mich seit ca. zehn Jahren Realität (Stand 2020): Meine Synapsen feiern jede Nacht `ne Party. So mit lauter Musik, Tanzen die ganze Nacht und Alkohol. Viel Alkohol, wenn ihr mich fragt.

Eingeladen hat sie niemand. Ich schon gar nicht. Sie sind Profi-Partycrasher im eigenen System.

Darum fühle ich mich morgens, als hätte ich die Nacht durchgefeiert. Nur ohne Spaß gehabt zu haben.

Jede Nacht? Ja, jede Nacht.

Wenn ich Glück habe ist es nur `ne Unterstufendisko. Bei Pech: drei Tage Wacken.

„Jede*r ist mal müde“ – aber nicht jede*r hat Fatigue

Aber jede*r ist mal müde, oder? Darum lädt dieser Umstand viele Menschen dazu ein, ungefragt ihren Senf zum Thema abzulassen. Und zu relativieren.

Da heißt es dann:

„Ach, ich weiß noch genau, das erste halbe Jahr nach der Geburt von Niklas – da hab ich kein Auge zugemacht!“

 „Komm du erst mal in die Wechseljahre. DAS macht dich fertig!“

„Boah, ich weiß genau, was du meinst. Ich war am Wochenende auf ’ner Party bis fünf Uhr früh. Ich war so wasted am nächsten Tag.“

Bei solchen Bemerkungen möchte ich schreien. NEIN. Einfach NEIN!

Ein Kind ist super anstrengend, kündigt sich aber neun Monate lang an und ist eine AKTIVE Entscheidung. Die Wechseljahre sind richtig scheiße, aber keine lebenslange Krankheit. Und eine Party ist keine Zwangsveranstaltung.

Diese Vergleiche helfen niemandem. Und auch keine Vorwürfe à la „Oh man, dauernd bist du müde!“. Fatigue ist keine Faulheit. Und Fatigue ist nichts, was man mit gutem Willen und ein bisschen Schlaf in den Griff bekommen könnte. Leider.

Aber was hat es mit dieser Fatigue auf sich? Und wie reagiere ich auf Menschen, die sie haben, wenn ich eben KEINE empathielosen Phrasen dreschen will?

Fatigue – Fakten statt Phrasen

Die Müdigkeit, die viele Fibromyalgie-Patienten*innen spüren, geht weit über eine gewöhnliche Müdigkeit hinaus. Diese außerordentliche Müdigkeit nennt sich Fatigue (sprich: „Fatieg“). Sie ist ein Symptom und Begleiterscheinung diverser chronischer Erkrankungen. Fatigue tritt etwa bei Fibromyalgie, Lupus und weiteren rheumatischen Erkrankungen auf. Auch bei Multipler Sklerose, AIDS, Ehlers-Danlos-Syndrom, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder Morbus Crohn ist Fatigue häufig. Bei ME/CFS [1] ist schwere Fatigue das Leitsymptom.

Außerdem tritt Fatigue oft als Folge einer Krebserkrankung und deren Behandlung auf. 60-90% der Patienten*innen sind während der Tumortherapie betroffen. Bei 20-50% bleibt sie auch danach bestehen.[2]

Fatigue ist ein allumfassender körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfungszustand, der enorm belastend für die Betroffenen ist. Es gibt einige entscheidende Unterschiede zwischen Fatigue und gewöhnlicher Müdigkeit.[3]

Fatigue und Müdigkeit im direkten Vergleich

FatigueMüdigkeit
Schlaf und Ruhe lassen die Fatigue nicht verschwinden, mitunter verschlimmert Schlaf die Fatigue sogar zeitweise
man fühlt sich nie ausgeruht – auch langer Schlaf ist nicht regenerierend
Schlaf und Ruhe lassen die Müdigkeit verschwinden
→ man ist nach ausreichend Schlaf erholt – der Schlaf regeneriert die Energiereserven
Tritt unabhängig von Belastung auf, nach Anstrengung verschlechtert sich das Unwohlsein unverhältnismäßig starkTritt nach Anstrengung und Belastung auf und verhält sich zu dieser
Sowohl körperliche als auch geistige und emotionale Belastung (positive wie negative) sowie Außenreize (bspw. Wetter, Sinnesreize) verschlechtern das Befinden deutlichKörperliche Erschöpfung steht im Vordergrund, Außenreize spielen eine untergeordnete Rolle
Kann sich sehr plötzlich verschlechtern und steigt unverhältnismäßig stark durch BelastungSteigt im Verhältnis zur Belastung an
Trotz starker Erschöpfung ist es schwer einzuschlafen und durchzuschlafenSchlaf ist meist schnell und tief möglich
Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, der Fähigkeit zur Konzentration und der Aufmerksamkeit (häufig/andauernd)Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsprobleme sind nicht von Dauer
Gefühl allgemeiner Schwäche oder Krankheit und schwerer GliederGefühl von Müdigkeit
Die Symptome erschweren alltägliche Tätigkeiten und beeinträchtigen die Betroffenen im sozialen, psychischen und körperlichen BereichAlltag, Beruf, Psyche und Soziales werden nicht nachhaltig beeinträchtigt

Fatigue gibt es in verschiedenen Abstufungen. Es gibt Fatigue, die merklich einschränkt, Fatigue die zum Teil oder ganz arbeitsunfähig macht und Fatigue, bei der die Betroffenen nicht einmal mehr das Bett verlassen können und auf Pflege angewiesen sind. Letzteres ist etwa bei Betroffenen mit schwerer ME/CFS der Fall. Die Lebensqualität ist in jedem Fall eingeschränkt.

Fatigue wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und umfasst Körper und Geist – beide sind beeinträchtigt. Es gibt keine standardisierte Behandlung von Fatigue und keine*n Facharzt*ärztin für diesen Bereich.

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Fatigue als Symptom kann mit anderen Erkrankungen verwechselt werden, allen voran mit einer Depression. Denn auch bei einer Depression liegen Erschöpfungszustände vor. Fatigue kann auch eine Depression zur Folge haben. Darum hier die grundlegenden Unterscheidungsmerkmale.

Depression

Eine Depression zeichnet sich durch ein emotionales Tief über einen längeren Zeitraum aus und ist eine psychische Erkrankung. Bei Depression stehen verschiedene medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die in Leitlinien[4] festgehalten sind.

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS)

Eine eigenständige Erkrankung ist das Chronic Fatigue Syndrom (CFS), auch chronisches Erschöpfungssyndrom oder Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt. Fatigue ist das Leitsymptom dieser Erkankung. ME/CFS kann sich sehr plötzlich entwickeln, beispielsweise nach einer Viruserkrankung. Bei ME/CFS handelt es sich um eine schwere neuroimmunologische Erkrankung. Es gibt keine allgemein wirksamen Therapien, da die Krankheitsursache noch nicht abschließend geklärt ist.[5]

Burn-Out

Burn-Out tritt als Reaktion bei anhaltendem Stress und Überlastung auf. Folge sind seelische und körperliche Erkrankung. Burnout ist ein schleichender Prozess und kann mit psychotherapeutischen und medikamentösen Maßnahmen in der Regel gut behandelt werden. Mehr dazu auf gesundheitsinformation.de [6].

Fatigue bei Fibromyalgie – Zusammenhänge und mögliche Ursachen

Zurück zu meiner Synapsenparty. Die ist nicht nur ein schräges Bild, um euch zu belustigen. Dahinter stecken tatsächlich einige belegte Erkenntnisse zu Fibromyalgie. Man weiß, dass ein Teil des vegetativen Nervensystems, der Sympathikus, zu aktiv ist.[7] Ein vom Schmerz und anderen Dingen chronisch gestresstes Nervensystem „feuert“ zu viele Signale in diesem Bereich des Systems. Ein gestörter Schlaf mit nachgewiesen zu geringen bzw. fehlenden Tiefschlafphasen ist eine weitere Erkenntnis.[8] Neuste Studien haben außerdem ergeben, dass sich die Darmflora von Fibromyalgie-Patienten*innen signifikant von gesunden Probanden*innen unterscheidet und einige Bakterienarten mit der Schwere der Fatigue assoziiert sind.[9] All diese Dinge haben Einfluss auf die Fatigue bei Fibromyalgie – die genauen Zusammenhänge und Ursachen sind jedoch noch unklar.

Fakt ist: Fatigue bei Fibromyalgie ist ein häufiges aber unterschätztes Symptom. Sowohl was die Behandlung als auch die Anerkennung angeht.

Wie kannst du Menschen mit Fatigue begegnen?

  1. Fühl dich ein

Stell dir vor, du hast diese Nacht nicht geschlafen. Wie fühlst du dich dann? Was brauchst du in dem Moment? Vermutlich bist du leichter reizbar, du kannst dich nicht gut konzentrieren und um dich herum wird dir schnell alles zu viel. Du willst deine Ruhe und dich einfach nur hinlegen.

Das ist ein Zustand, der bei Gesunden der Fatigue am nächsten kommt. Aber bedenke: dieser vorübergehende Zustand ist eine ganz andere Hausnummer, als das jeden Tag durchzumachen. Indem du dich einfühlst, kannst du besser nachvollziehen, warum Menschen mit Fatigue sich so verhalten, wie sie es tun. Du kannst ihre Bedürfnisse besser verstehen und empathischer reagieren.

  1. Frag die Betroffenen, was sie brauchen

Du kannst jemandem mit Fatigue nicht unbedingt ansehen, wie stark die Symptome gerade sind. In dem Moment, in dem die Fatigue besonders stark ist, wirst du die Betroffenen ohnehin selten außer Haus antreffen. Denn wenn sie ihre Energie verbraucht haben und die Fatigue so richtig zuschlägt, dann liegen sie auf der Couch oder im Bett.

Grafik mit dem Text: "Wieso gehst du schon? Sei kein Spielverderber!" - "Wieso fragst du nicht mal was Sinnvolles? Zum Beispiel: Was brauchst du, damit du in Zukunft länger bleiben kannst?" - FibroFee
Spielverderber?

Wenn du dir unsicher bist, wie du reagieren sollst oder was du tun kannst, dann frag nach: Wie stark ist deine Fatigue gerade auf einer Skala von 1-10? Kann ich etwas tun, damit sie nicht stärker wird? Kannst du dich gerade genug konzentrieren, dass ich dir etwas erzähle? Hast du genug Energie, damit wir Tee trinken/ins Kino gehen/einen Spaziergang machen/ *eine beliebige Aktivität unternehmen* können? Was kannst du gerade gut machen? Brauchst du etwas, und wenn ja, was?

  1. Gestalte Treffen fatigue-konform

Was soll das heißen? Das heißt, dass du bzw. ihr bei Treffen darauf achten könnt, möglichst viele Trigger für die Fatigue zu eliminieren. Diese Auslöser verstärken die Fatigue oder lösen sie aus. Hier einmal eine Aufzählung häufiger Trigger:

  • viele Leute → meidet Menschenmengen und -Ansammlungen
  • Lärm → sucht euch eine ruhige Umgebung
  • Bestimmte Wetterlagen können die Fatigue (schlagartig) verschlimmern. Aber nicht jedem*r tut das gleiche Wetter gut! → Auch wenn man das nur bedingt beeinflussen kann, plant ein Treffen bei gutem Wetter – was immer „gut“ für den oder die Betroffene bedeutet.
  • Mehr oder minder starke körperliche Aktivität. Körperliche Anstrengung verschlimmert ab einem bestimmten Maß die Fatigue. Wo hier die Grenze ist, kann individuell, aber auch von Tag zu Tag sehr unterschiedlich sein. → Nein, zu Zumba-Kurs oder Bergwanderung; ja zu Tai Chi und kleinen Spaziergängen in ebenem Gelände.
  • Starke Gerüche, besonders chemische → Shoppen in der Parfümerie, bedufteten Geschäften oder im Möbelhaus sind schwierig. Besser an die frische Luft oder an Orte mit einer gewissen Ventilation gehen.
  • Schmerzen. Alle Arten von Schmerzen sind anstrengend und verschlimmern somit die Fatigue. → Sorgt für bequeme Sitzgelegenheiten und Bewegung zwischendurch. Längeres Sitzen verstärkt bei vielen Fibromyalgie-Patienten*innen die Schmerzen. Bequeme Sitzgelegenheiten, Positionswechsel und zwischendurch die Beine vertreten, halten die Fatigue im Zaum.
  • Reisen und Verkehr. Lange Anfahrten und Reisen strapazieren die Energie → Wähle kurze Wege oder passendere Verkehrsmittel. Zugfahrten haben den Vorteil, dass man aufstehen kann. Bei Autofahrten sparen Fatigue-Betroffene als Beifahrer Energie, anstatt am Steuer zu sitzen. Sind in Bus oder Bahn viele Leute unterwegs, kann das private Auto Ruhe bieten.

Bedenke: die Trigger sind individuell sehr verschieden und das hier waren nur einige der häufigeren. Auch hier gilt: nachfragen und planen hilft.

Gute Treffpunkte sind zu Hause. Dort kann man es sich gemütlich machen, es ist ruhig und man kann gut auf die Bedürfnisse bei Fatigue eingehen. Außer Haus ist ein ruhiges Café mit einer Sofaecke eine Option, oder auch gemächliche Spaziergänge im Grünen.

Sei dir darüber im Klaren, dass auch solche Aktivitäten eine Fatigue-Phase nach sich ziehen können. Die bekommst du als Außenstehende*r im Anschluss häufig nicht mehr mit. Darum: auch hiermit besser nicht übertreiben.

Feiertage überstehen mit chronischer Erkrankung? Meine 10 besten Tipps findest du in einem weiteren Blogtext.

  1. Biete deine Hilfe an

Für Menschen mit Fatigue sind Alltagsaufgaben oft schon enorm anstrengend und verbrauchen viel der geringen Energie. Betroffene werden dir sehr dankbar sein, wenn sie hier unterstützen möchtest. Frag nach, ob du mal einen Einkauf erledigen oder etwas mitbringen kannst. Biete an, die Kinder für ein paar Stunden zu nehmen oder eine Runde mit dem Hund zu laufen. Biete an, bei der Hausarbeit zur Hand zu gehen oder bring etwas zu Essen vorbei – und macht es euch zusammen gemütlich.

  1. Sei da

Fatigue kann einsam machen. Viele Betroffene müssen ihre sozialen Aktivitäten einschränken, weil sie enorm kraftraubend sind. Trotzdem möchten sie natürlich am Leben teilnehmen und sich mit anderen austauschen. Darum: mach einen Hausbesuch oder einen Anruf, schreib eine Mail oder schick eine Sprachnachricht. Sei einfach da – auch das ist enorm wichtig und eine Bereicherung!

An alle Betroffenen:

Was sind eure Fatigue-Trigger? Und was können andere tun, um euch zu helfen? Schreibt es in die Kommentare. Oder macht euch darüber Gedanken und sagt es dann eurem Umfeld. Oder noch besser: beides 😉 .

Gutes Energiesparen!

Eure FibroFee


Die Grafik zeigt das Fibromyalgie Bullshit-Bingo von FibroFee. Es besteht aus 6x4 bunten Kacheln im Querformat. Auf jeder Kachel ist ein Spruch aus dem Bullshitbingo abgebildet, auf der letzten das FibroFee-Logo. Die Sprüche sind: 1. Du siehst gar nicht krank aus! 2. Fibro...was? 3. Ich bin auch total fertig. Ich hab den ganzen Tag gearbeitet und 2h Sport gemacht. 4. Neulich ging´s doch auch noch. 5. Oh, es tut mir sooo schrecklich leid für dich. 6. Boah, ich weiß wie du dich fühlst! Ich hatte neulich ne Grippe, das war furchtbar. 7. Mit dir kann man auch gar nichts mehr machen. 8. Was kannst du denn noch essen?! 9. Du musst dich einfach mal entspannen! 10. Was, gehst du schon? Sei kein Spielverderber. 11. Wie, du kannst das nicht machen? 12. Wart´s ab, bis du in die Wechseljahre kommst, DAS sind Schlafstörungen. 13. Boah, Arbeiten/Sport war so anstrengend! Aber du hast ja keine Ahnung, wie das ist. 14. Immer bist du müde. 15. Na, wieder fit? 16. Du musst an deiner Psyche arbeiten. 16. Hast du immer noch Schmerzen? 17. Du musst einfach positiv denken! 18. Schmerzmittel sind ja auch ganz schön schädlich. 19. Das bildest du dir ein. 20. Probier´s mal mit XY. Das hilft bestimmt! 21. Du bist einfach empfindlich. 22. Sei froh, dass du den ganzen Tag im Bett liegen kannst!

Das war Folge 14 aus meinem Fibromyalgie-Bullshit-Bingo. Die ganze Reihe mit Ansammlungen blöder Sprüche und Vorurteile, die einem mit Fibromyalgie begegnen, findest du im Link. Dort bekommt ihr auch immer Tipps, wie ihr in solchen Situationen reagieren könnt. Und falls ihr selbst nicht Betroffen seid: wie ihr es besser machen und uns unterstützen könnt.


Quellen

[1] Vgl. Deutsche Gesellschaft für ME/CFS: „Was ist ME/CFS?“, abrufbar unter: https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/

[2] Vgl. Deutsche Fatigue Gesellschaft: „Was ist Fatigue?“, abrufbar unter: https://deutsche-fatigue-gesellschaft.de/fatigue/was-ist-fatigue/

[3] Vgl. auch Deutsche Fatigue Gesellschaft: „Diagnose von Fatigue“, abrufbar unter: https://deutsche-fatigue-gesellschaft.de/fatigue/diagnose/

[4] Zu den Leitlinien für Depression: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-005.html

[5] Vgl. Deutsche Gesellschaft für ME/CFS: „Häufig gestellte Fragen“, abrufbar unter: https://www.mecfs.de/faq-haeufig-gestellte-fragen/

[6] Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde zitiert nach: Gesundheitsinformation.de: „Was ist ein Burnout?“  https://www.gesundheitsinformation.de/was-ist-ein-burnout-syndrom.2125.de.html?part=symptome-5i

[7] Vgl. Martínez-Martínez/Mora/Vargas et. al.: „Sympathetic Nervous System Dysfunction in Fibromyalgia, Chronic Fatigue Syndrome, Irritable Bowel Syndrome, and Interstitial Cystitis: A Review of Case-Control Studies“ (2014). In: Journal of Clinical Rheumatology, Vol. 20, Nr. 3, S. 146-150 , abrufbar unter: https://journals.lww.com/jclinrheum/Abstract/2014/04000/Sympathetic_Nervous_System_Dysfunction_in.7.aspx

[8] Lind-Albrecht, „Ursache des Fibromyalgie-Syndroms“. In: Rheuma Online, abrufbar unter: https://www.rheuma-online.de/krankheitsbilder/fibromyalgie/ursache-des-fibromyalgie-syndroms/

[9] Bauser (15.07.2019): „Fibromyalgie: Studie liefert Hinweise auf Bedeutung des Darm-Mikrobioms – Ernährung als therapeutischer Ansatz?“. In: Medscape, abrufbar unter: https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908056#vp_4

Header-Bild/ Credit Pic: jcomp / Freepik


Hilf mit, diesen Beitrag zu verbreiten. Mehr zur Nutzung der Teilen-Buttons und nachfolgender Datenübermittlung findest du in meiner Datenschutzerklärung.

13 Replies to “Fibromyalgie-Bullshit-Bingo Vol. 14 „Immer bist du müde“ – Was du über Fatigue wissen solltest”

  1. Hallo liebe Fibrofee und alle Betroffenen,
    ich finde mich zu 100 % wieder in deinem Beitrag. Besonders stark macht mir diese Erschöpfung in den Schüben zu schaffen, die wochenlang dauern. Sogar positive Sachen, wie z.B. ein Treffen mit der Familie, lösen dies aus, aber richtig übel merke ich das oft erst am nächsten Tag!
    Ich versuche während dieser Schübe optimistisch zu bleiben und brauche dann auch einfach mal soziale Ablenkung, aber hinterher geht dann meistens gar nix mehr und das frustriert und depremiert mich dann umso mehr.
    Das macht mich fertig, weiß einfach nicht wirklich wie ich damit umgehen soll…..
    Vielleicht habt ihr eigene Erfahrungen damit?

    Ich bin grad wieder in so einem Schub seit über 4 Wochen.

    Liebe Grüße

    1. Liebe Lisa,

      ich erlebe das ähnlich. Auch positive Aktivitäten sind mitunter sehr anstrengend für mich! Wenn die starke Erschöpfung dann schlägt auch mir das aufs Gemüt. Ich lerne aber immer mehr, dann innerlich nicht dagegen anzukämpfen. Denn auch das kostet wieder Energie und ist nicht gut für die Stimmung. Je sanfter und verständnisvoller ich mit meinem Körper dann umgehe, desto besser. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Mir hilft in solchen Momenten Meditation besonders. Damit kann ich das Nervensystem am besten wieder beruhigen. Und auch mir immer wieder zu sagen und mir vorzustellen: „es wird wieder besser werden, das ist kein Dauerzustand“, ist eine Hilfe.

      Ich schicke dir ganz liebe Grüße

      1. Vielen lieben Dank für deine Tipps und die aufmunternden Worte. Das hab ich grad sowas von gebraucht… ganz liebe Grüße

  2. Hi Franzi, hallo Mitleidende,
    seit gut 25 Jahren habe ich die Kombi aus Fibromyalgie und Fatigue.
    Ich bin wohl einer der Wenigen, die das „Glück“ haben bei Einnahme des Opioids Tillidin in geringster Dosis einen Hallo-Wach-Zustand mit leicht euphorischer Stimmung zu bekommen. Der zudem auch noch für 8 bis 10 Stunden anhalten kann. An bestimmten Tagen ist das sehr hilfreich und überaus angenehm.
    Vielleicht wäre es für den Einen oder die Andere auch mal den Versuch wert!?
    Grüße aus dem Exil
    Frei

  3. Hallo, ich bin eben erst auf deinen Blog gestoßen. Bei mir wurde die Diagnose letzten Sommer gestellt- nach einem Jahr mit Fußgelenksschmerzen ohne anderweitige Diagnose bei gefühlt 10 Ärzten…. Plötzlich ließ sich auch meine ständige Abgeschlagenheit erklären. Ich liege nie lange wach, wache aber oft auf und gelange nur in den ersten 2 Stunden ein bisschen in Tiefschlaf. Morgens, genau wie du schilderst, bin ich „tot“, egal, wann ich im Bett war und egal ob ich „ausgeschlafen“ habe. Diese totale Müdigkeit tagsüber habe ich nicht, aber fertig fühle ich mich durchgehend. Vom Arzt wurde nur das übliche an Antidepressiva verschrieben, was mich aber nach 2 Tagen WIRKLICH müde gemacht hat…. Also keine Option. Verstehen tut es im Umfeld niemand, ich „bewege mich einfach zu wenig und bin zu inaktiv“. „Du musst einfach mal Sport machen.“ Danke, dass du hier aufklärst und ich mich endlich mal wiederfinden kann. Liebe Grüße Mari

    1. Liebe Mari, danke für deinen Kommentar! Na ja, ist „durchgehend fertig“ nicht das gleiche wie „total müde“? 😅 Auf solche niedrig dosierte Antidepressiva-Gabe so zu reagieren, ist recht normal. Bei mir hat es über ein Jahr gedauert, bis diese Benommenheit nach Einnahme deutlich besser war. Trotzdem hilft es mir. Natürlich verträgt nicht jede*r das gleiche Präparat oder diese Wirkstoffe. Und gerade bei solchen Mitteln dauert es eine Weile, bis Nebenwirkungen verschwinden – die treten vor allem am Anfang auf. Es gibt aber ganz verschiedene Präparate, manche wirken auch eher anregend. Auch der Zeitpunkt der Einnahme kann variieren und die Situation verbessern. Bei all‘ dem ist natürlich ärztliche Beratung und individuelle Anpassungen gefragt 🙂 . Ich will damit nur sagen, dass es manchmal etwas Zeit braucht, bis man das richtige Mittel gefunden hat und ein guter Arzt*Ärztin weiß natürlich trotzdem nicht, wie der*die Einzelne reagiert, aber schlägt auch Alternativen vor 😊. Es freut mich sehr, dass du dich hier wiederfindest 💜 Ganz liebe Grüße!

  4. Oh je, da erkenne ich mich auch total wieder. Mit Anfang 40 nach einer Trennung vom Ehemann und 3 Todesfällen innerhalb eines Jahres (Mutter, Vater, Oma) ging es mir immer schlechter. Ich habe noch eine Fortbildung geschafft um zurück uns Arbeitsleben zu gelangen. 2 x 4 Jahre gearbeitet, immer wieder Reha, krank entlassen, dann Rente für immer. Da waren natürlich noch Depression und Ängste durch die vielen schlimmen Ereignisse. Aber sonderlich belastbar war ich noch nie, auch in jungen Jahren nicht.
    Mittlerweile bin ich 62 Jahre und habe immer wieder eine bleierne Müdigkeit mit starken Schmerzen. Fibromyalgie ist vor 20 Jahren diagnostiziert worden. Aber es ist so viel schlimmer geworden mit der Erschöpfung. Lautstärke, Gerüche, Diskussionen, längeres Radfahren, Streit in der Familie (Ehemann) usw. geht nicht , unangemeldeter Besuch schon mal gar nicht. Verabredungen müssen oft abgesagt werden usw., ein großes Haus zu putzen fällt mir unendlich schwer. Vor 5 Jahren kam Epilepsie dazu. Kein Autofahren, Isolation, lange laufen oder Rad fahren geht auch nicht mehr. Das mach alles keinen Spaß mehr. Manchmal wünschte ich ganz alleine zu leben, aber dann würde ich wohl nur noch liegen und nichts tun. Schlimm! Ich wünsche das niemanden.

    Waltraut Soeth says:
    1. Liebe Waltraut, das klingt nach einer Menge belastender Erfahrungen. Ich hoffe, du hattest oder hast Hilfe dabei, die zu verarbeiten. Denk dran: es ist völlig okay, die anzunehmen – egal nach wie vielen Jahren und in welcher Form 😊. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass diese Situationen schwer für dich sind und deine Energiereserven aufbrauchen. Umso wichtiger, dass du dir auch Dinge suchst, die du gerne und nur für dich machst. Selbst wenn es „nur“ Kleinigkeiten sind. Auch Aufgaben abzugeben, die zu viel sind, ist sehr wichtig. Ich selbst muss mich immer wieder dran erinnern. Gib gut auf dich acht. Viele liebe Grüße, Franzi

  5. Ich denke, ich habe auch Fatigue zu meiner Fibro…. Schön wäre es wenn es sowas wie einen Fragebogen dazu gäbe, damit man das besser einschätzen kann? Es gibt Tage, da ist mein „Akku“ nicht so schnell leer wie an anderen, und es gibt Tage, da stehe ich auf und gehe nach kurzer Zeit wieder ins Bett zurück weil ich einfach fertig bin, und schlafen bringt keine wirkliche Erholung. Ich kann auch oft gar nicht verhindern, daß ich einschlafe . An schlechten Tagen vermeide ich es nach Möglichkeit mich hinters Steuer zu setzen-leider bin ich noch die einzige mit Führerschein.
    Große Menschenmenge und lange Fahrten(vor allem unbekannte Strecken oder plötzlich auftretende Sperrungen /Umleitungen), viele Termine, zuviel körperliche und auch geistige Anstrengung schaffen mich sehr schnell. Sehr negative Menschen schaffen mich. Nasskaltes Wetter oder wie jetzt das Sturmtief hauen mich um, dann sind auch teilweise die Schmerzen sehr viel schlimmer…. Ich habe vieles davon selbst rausgefunden und versuche dementsprechend zu agieren und reagieren. Von einem Partner dafür Verständnis zu bekommen, war mir nicht möglich, deswegen lebe ich inzwischen nur noch mit meinen Kindern, die mit der Problematik vertraut sind.

    1. Danke für deine Schilderungen! Diese ganzen Punkte, die du nennst, kenne ich gut. Diese Dinge wirken sich negativ auf Fatigue und Schmerzen aus. Zum Fragebogen: ich hab versucht es mit der Gegenüberstellung in der Tabelle anschaulich zu machen 🙂. Aber ja, man könnte das natürlich auch in Form eines Fragebogens machen.

  6. Bei mir schlägt sie fast unerwartet zu.
    Bei Geburtstagen wo ich mich entspannt unterhalte und dann innerhalb kürzester Zeit geht es mir schlecht. Totale Reizüberflutung. Keine Konzentration mehr, mir geht es körperlich schlecht und muss gehen. Halt Spielverderber und keiner hat trotz Erklärungen Verständnis.
    Trigger: Lautstärke, Gerüche, Schmerzen und anstrengende Gespräche.

    Alexandra says:
    1. Danke für deine Erfahrungen! Das sind tatsächlich die häufigsten Trigger. Ich weiß, es braucht Zeit es anderen verständlich zu machen. Was sich jetzt vielleicht plump anhört, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass folgendes Vorgehen hilfreich ist: zuallererst sollte man für sich selbst Verständnis aufbringen. Und dann auch WIRKLICH danach HANDELN. Also sich selbst NICHT überfordern und sich zurückziehen und Ruhe gönnen, wenn der Körper sie braucht. Dann ist es erstens gar nicht mehr so wichtig, wie andere damit umgehen. Und zweitens machen anderen dann „automatisch“ mit und respektieren diese Umstände viel besser 🙂. Und manche haben wirklich eine lange Leitung 🙄, da sollte man sein Ding einfach durchziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.