Eine eindrückliche Geschichte von Dauerschmerz, Lachen, viel Hoffnung und noch mehr Leben

Rezension von Mignon Kleinbeks „Nach oben“

ÜBERBLICK

„Nach oben“ ist eine Biographie über ein „etwas anderes Leben mit Psoriasis Arthritis und Fibromyalgie“. Ein Bericht voller Hoffnung und Lebensmut, voller Höhen und Tiefen, der niemanden kalt lassen dürfte, der selbst Erfahrungen mit diesen Krankheitsbildern, ob selbst oder in Familie oder Freundeskreis, gemacht hat. Trotz einiger erzählerischer und struktureller Schwächen gelingt es der Autorin, uns den Alltag mit einer chronischen Erkrankung nahezubringen, hinter die Maske der medizinischen Fakten zu blicken und den Mensch dahinter zu zeigen –  und damit das, was wirklich zählt.

AUFBAU UND INHALT

Das Buch erzählt zunächst chronologisch die Lebensgeschichte der Autorin. Zwischendurch sind Rückblicke auf besondere Ereignisse im Präsens oder Korrespondenzen mit Medizinern eingestreut. Ebenso werden wichtige medizinische Fragen, etwa zu Medikamenten oder Diagnosen aufgegriffen und am Ende des Buches genauer erklärt. Einige Erlebnisse sind mit Farbfotos, in leider etwas schlechter Druckqualität, bebildert. Am Ende kommen noch wichtige Weggefährten im Leben der Autorin zu Wort, eingeleitet wird die Biographie mit einem Gedicht eines Freundes der Autorin. Abschließend werden den Lesern kurz wichtige Erkenntnisse und Tipps im Umgang mit Fibromyalgie, PSA bzw. chronischer Krankheit im Allgemeinen, sowie einige wichtige Adressen und Buchempfehlungen mit auf den Weg gegeben.

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WIE ALLES BEGANN

Das Bild zeigt das Buchcover von "Nach oben" - dem Buch von Mignon Kleinbek. Darauf ist die Autorin zu sehen, die vor im Sonnenuntergang steht und die Arme ausbreitet.
Nach oben – Mignon Kleinbek

Mignon Kleinbek, geboren 1964, beginnt ihre Erzählung, wie sollte es auch anders sein, mit ihrer Kindheit. Denn beinahe so weit zurück reichen auch ihre ersten gesundheitlichen Beschwerden in Form von schweren Allergien, Asthma, Infekten und Intoleranzen. „Nach oben“ ist Mignon Kleinbeks erstes Buch. Gerade zu Anfang wird dies an der aufzählungshaften Erzählweise, den mitunter etwas abrupten Übergängen oder zu detaillierten Schilderungen deutlich. Die Geschichte gewinnt aber bald an Fahrt und offenbart ihre Stärke: dann, wenn Kleinbek über ihr liebe Menschen und Erlebnisse mit diesen schreibt, blüht sie auf und der Funke springt rasch auf den Leser über.

Wir begleiten die Autorin durch eine euphorische, wenn auch nicht immer einfache Phase der Heirat und Geburt der beiden Söhne. Kurz darauf jedoch treten die Schmerzen dauerhaft in ihr Leben. Immer mehr gesundheitliche Probleme gesellen sich hinzu – es ist der Beginn einer jahrelangen Ärzte-Odyssee auf der Suche nach Linderung und der richtigen Diagnose. Das ahnt zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand.

WAS „NACH OBEN“ IST – UND NICHT IST

Wer nun aber glaubt, es handele sich um die wehmütige oder mitleidheischende Erzählung einer kranken Frau, die von Verfall und Leiden handelt, hat sich gewaltig geschnitten. Sicher, Mignon Kleinbek nimmt kein Blatt vor dem Mund, lässt tief blicken und uns sogar an den, ihrer Aussage nach, peinlichsten und schwärzesten Momenten ihres Lebens teilhaben. Klar, dass in einer Geschichte über Krankheit auch von vielen Schmerzen die Rede ist. Etwa wenn der Rückenschmerz die Autorin zu Boden streckt, oder von Verzweiflung, wenn sie ihren Beruf aufgeben muss oder ein Arzt sie wieder einmal nicht ernst nimmt. Dies zu schreiben kostete sicher viel Mut und zeugt von Ehrlichkeit und schonungsloser Selbstoffenbarung.

Aber so viel dunkle Zeiten und Momente Mignon Kleinbek auch erlebt, so viel Hoffnung und Lebensmut spricht aus diesen Zeilen. Ein wichtiges Element in ihrem Leben ist der Glaube an Gott, aber auch ihre Familie, die sie immer wieder stützen und ihr Halt geben. Immer wieder rappelt sie sich auf, lässt sich nicht unterkriegen und vertritt, wie ein Freund treffend beschreibt, eine Haltung des Trotzdem-Lebensmutes.

Was mich am meisten an diesem Buch beeindruckt hat, ist, dass die Autorin den Spagat zwischen ungeschönter Schilderung der Krankheit und unumstößlicher Lebensbejahung schafft. Nicht jammernd, nicht naiv, nicht mit erhobenem Zeigefinger oder Schuldzuweisungen. Obwohl sie selbstverständlich auch traurig ist, obwohl die Unterstützung seitens der Medizin oft zu wünschen übrig lässt. Doch ihr geht der Humor, das Lachen nie aus, auf der Suche nach dem guten Leben, trotz, oder gerade wegen ihrer Erkrankung – getreu ihrem Lebensmotto „Nach oben“.

EINBLICKE UND ZUCKERSTÜCKE

Wenn die Autorin von den Dingen, die ihr ans Herz gehen spricht, dann wird die Geschichte besonders lebhaft und atmosphärisch. Das sind zum einen ihr Glaube, ihre Liebe zu Musik und Literatur aber vor allem zu den Menschen. Etwa, wenn sie eine Klinik- und Rheumatikerinnen-Freundin beschreibt: „Hoa, das Energiebündel mit einer unbändigen Lust aufs Leben – ist zielstrebig, lebhaft, lieb und mitfühlend. Sie lacht glockenhell perlend wie Tinkerbell, Peter Pan´s kleine Fee. Eine Kaskade an Tönen, die im Ohr und im Herzen bleibt“ (S. 244 f.).

Eindrücklich beschreibt sie auch den Effekt, den die Auseinandersetzung mit ihrer Krankheit und der Austausch mit andern Betroffenen auf sie hat: „Unsere Erkrankung war das Bindeglied, machte uns gleich und gab uns allen Sicherheit – du bist nicht allein! Ich hatte nicht geahnt, wie wichtig dieses Wissen für mich war. Es half mir anzunehmen, was vor mir lag. Ich war besser informiert und konnte dadurch bewusstere Entscheidungen treffen. Es ließ mich nicht mehr so hilflos, so ausgeliefert dastehen“ (S. 210). Oder: „Natürlich sprachen wir über unsere Erkrankungen, aber es hatte nichts Mitleidvolles, war eher informativ. […] Das Wissen darum verband uns und unterschied sich völlig von unserem Leben zu Hause. Dort standen wir alleine, ständig im Zwang, uns und unsere Befindlichkeiten zu erklären und niemand konnte es nachvollziehen“ (S. 240).

Aber auch die schwierigen Aspekte lässt sie nicht aus: „Ich bezeichne meinen Körper oft als ,Wanderbaustelle´. Irgendwo zwickt und zwackt es einfach immer und beständig kommen weitere Beschwerden hinzu. […] Man gewöhnt sich an diesen Grundlevel-Schmerz, der einfach immer präsent ist. Es sind gute Tage, wenn er nicht überschießt. […] Immer noch habe ich Probleme damit, mein altes Tempo nicht mehr leben zu können, meinen Alltag umzuorganisieren und Arbeitsabläufe anders zu strukturieren. […] Was mir immer als selbstverständlich erschien und nebenher lief, muss ich heute gut einteilen. Sonst kriege ich nichts gebacken. Manchmal macht sie mich verrückt, diese erzwungene Ruhe“ (S. 298 f.).

FAZIT

Streckenweise etwas holperig, aber von vorne bis hinten voller Herzblut und Wärme erzählt Mignon Kleinbek von ihrer Suche nach den richtigen Diagnosen und dem Weg mit diesen gut zu leben. Mit einer Ehrlichkeit, die nahe geht, gerade dann, wenn es weh tut, aber niemals wehklagend oder weinerlich, sondern stets hoffnungsvoll dem Leben zugewandt.

Mein Dank geht an den treditions-Verlag, der mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte. Aber natürlich besonders an Mignon Kleinbek für ihr offenherziges Buch.

Media-Daten: Mignon Kleinbek „Nach oben – Ein etwas anderes Leben mit Psoriasis Arthritis und Fibromyalgie oder Morgen ist alles gut“, 2015, Verlag: tredition, Hamburg, 384 Seiten, ISBN 978-3-73-23-5756-7 (Paperback), 19,80 €, auch als E-Book und Hardcover erhältlich.

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Bild © tredition und FibroFee

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